Folge 3: Der Sturz des Oberbürgermeisters von Münster

Shownotes

Ein Oberbürgermeister als Modernisierer – und als Wegbereiter des Scheiterns der Republik.

Georg Sperlich prägte Münster wie kaum ein anderer Oberbürgermeister: Unter seiner Amtszeit entstanden der Aasee, das Preußenstadion, die Halle Münsterland und der Flughafen an der Loddenheide. Er wollte die Stadt nach vorne bringen – entschlossen, autoritär, kompromisslos.

Doch Sperlich war auch ein erklärter Gegner der Weimarer Republik. Er brüskierte demokratische Symbole, stellte persönliche Interessen über das Gemeinwohl und lieferte mit Skandalen, Machtkämpfen und Whistleblowing der radikalen Rechten die Munition. Am Ende verlor er sein Amt – und wechselte politisch die Seite.

Diese Folge erzählt von einer „Modernisierung von oben“, von Macht und Eitelkeit, von politischer Verantwortung – und davon, wie kommunale Entscheidungen zur Erosion der Demokratie beitrugen.

In dieser Folge: • Wer war Georg Sperlich – und warum prägte er Münster bis heute? • Wie wurden Großprojekte, Skandale und persönliche Interessen zum politischen Sprengstoff? • Welche Rolle spielte Sperlich bei der Schwächung der Weimarer Demokratie in Münster? • Warum wurde aus dem Zentrumspolitiker ein Unterstützer der republikfeindlichen Rechten?

Ein Podcast von RUMS – Neuer Journalismus für Münster.

Moderation: Ralf Heimann Historische Recherche: Dr. Michael Jung

Historische Quellen:

Der frühere Oberstadtdirektor Tilman Pünder hat nicht nur den Nachlass Georg Sperlichs ins Stadtarchiv Münster geholt, sondern auch gleich eine Biographie Sperlichs geschrieben, die 2006 in der Reihe Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster erschienen ist. Diese Biographie zeichnet sich dadurch aus, sehr viele kritische Aspekte, die im Nachlass dokumentiert sind, zu marginalisieren oder zu verschweigen. Für diesen Podcast wurde daher der im Stadtarchiv Münster lagernde Nachlass ausgewertet, insbesondere folgende Signaturen: Nachlass Sperlich 4-9; 11; 21; 31; 78; 87; 136; 138; 141.

Transkript anzeigen

Michael Jung: Georg Sperlich steht eigentlich für eine Modernisierung von oben.

Michael Jung: Wer viel entscheidet, hat auch viele Gegner.

Michael Jung: Und das war bei Sperlich ganz bestimmt auch so.

Michael Jung: Und am Ende zeigt der Oberbürgermeister im Jahr 1932,

Michael Jung: dass er auch den finalen Schnitt macht und er verlässt seine Partei.

Ralf Heimann: Bevor wir es vergessen, der RUMS-Geschichtspodcast.

Ralf Heimann: Herzlich willkommen zur dritten Folge unseres RUMS-Geschichtspodcasts.

Ralf Heimann: Bevor wir es vergessen, ich bin Ralf Heimann, RUMS-Redakteur.

Michael Jung: Ich bin Michael Jung, Geschichtslehrer und Historiker.

Michael Jung: Und Michael, worüber sprechen wir heute?

Michael Jung: Heute sprechen wir über eine Spitzenpersonalie der Stadt Münster, über den Föhren-Oberbürgermeister Georg Sperlich.

Ralf Heimann: Und warum interessiert er uns?

Michael Jung: Weil er ganz viele Entscheidungen getroffen hat, die noch heute für Münster prägend sind.

Michael Jung: Unter Spärichs Amtszeit entstanden nicht nur die Halle Münsterlands, sondern auch das Preußenstadion.

Michael Jung: Der Aasee wurde gebaut, jedenfalls der erste zur Stadt gelegene Teil des Aasees.

Michael Jung: Außerdem entstand auf der Loddenheide der erste Flugplatz in Münster.

Michael Jung: Der hat sich jetzt heute nicht mehr gehalten, aber man sieht, es war eine Zeit stadtinfrastruktureller Weichenstellung,

Michael Jung: für die in fast allen Fällen der Oberbürgermeister persönlich mit hohem persönlichen Engagement gekämpft hat

Michael Jung: und sie am Ende auch durchgesetzt hat.

Ralf Heimann: Das klingt ja erstmal wie eine Erfolgsgeschichte.

Michael Jung: Die Erfolgsgeschichte von Georg Sperlich endet im Jahr 1931 mit seiner Abwahl durch das Stadtparlament.

Ralf Heimann: Und das ist ja auf den ersten Blick schon überraschend bei jemandem, so sieht es jedenfalls aus,

Ralf Heimann: der so viele gute Dinge für Münster getan hat.

Michael Jung: Vielleicht auch nicht überraschend, weil ja alle diese Entscheidungen ja immer auch Widerstand provoziert haben.

Michael Jung: Damals wie heute, wer viel entscheidet, hat auch viele Gegner.

Michael Jung: Und das war bei Sperlich ganz bestimmt auch so.

Michael Jung: Sein persönliches Auftreten kam noch dazu.

Michael Jung: Und das letzte große Problem von Sperlich war, dass am Ende seiner Amtszeit jede Menge Skandale in der Stadt auffliegen.

Ralf Heimann: Ich glaube, wir müssen noch mal etwas weiter vorne anfangen.

Ralf Heimann: Und vielleicht beginnen wir am besten mit der Frage, was war das denn eigentlich für ein Mensch, dieser Georg Sperlich?

Michael Jung: Erstmal war Georg Sperlich ein Jurist und Verwaltungsexperte.

Michael Jung: Jemand, der seine Karriere noch ganz im Kaiserreich gemacht hatte.

Michael Jung: 1909 war er als Kämmerer nach Münster gekommen. Ursprünglich stammte er aus Oberschlesien.

Michael Jung: Ein angesehener Verwaltungsmann.

Michael Jung: Ins Oberbürgermeisteramt gekommen ist er ein bisschen mit Glück,

Michael Jung: weil im Jahr 1920 sein Vorgänger an die Spitze des Provinzialverbands wechselte

Michael Jung: und damit die Stelle sehr kurzfristig frei wurde.

Michael Jung: Und zu Beginn der Republik natürlich viele kommunale Spitzenpositionen neu zu besetzen waren.

Michael Jung: Und da entschied man sich für den zweiten Mann in Münster, dem man das zutraute,

Michael Jung: der außerdem das richtige Parteibuch hatte, nämlich das Zentrumsparteibuch.

Michael Jung: Und insofern schien das erstmal eine Personalie, die Kontinuität gewährleisten sollte.

Michael Jung: Es zeigte sich aber ziemlich schnell, Sperlich war persönlich jemand, der relativ kompromisslos im Auftreten war, der seine eigenen, aus seiner Sicht wohl erworbenen Rechte stets mit Vehemenz zu verteidigen wusste und dabei auch vor heftigem Streit nicht zurückschreckte.

Ralf Heimann: Wenn wir das jetzt mal in die Zeit einordnen. Georg Sperlichs Amtszeit beginnt im Jahr 1920. Wie muss man sich denn zu der Zeit die Stimmung und die Atmosphäre in Münster vorstellen?

Michael Jung: Es war die Zeit kurz nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg, eine Zeit, in der erstmal tausende von demobilisierten Soldaten erstmal wieder versorgt werden mussten, in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden mussten.

Michael Jung: Es war auch die Zeit, in der sich langsam die Inflation aufbaut, zu einer großen Gefahr auch für die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität nicht nur Deutschlands, sondern auch der Stadt.

Michael Jung: Und es war eine Zeit ganz großer Herausforderung, in der es um grundsätzliche Weichenstellungen gab. Die Belastungen durch den Versailler Vertrag schlugen sich auch auf der kommunalen Ebene nieder und Münster war als Garnisonsstadt im Westen die alles entscheidende Stellschraube für die Verteidigung der westlichen Landesteile.

Michael Jung: Und insofern spielte das Militär in Münster eine ganz zentrale Rolle und das spiegelt sich auch in der Amtszeit von Sperrlich.

Michael Jung: Jemandem, der als einer von wenigen Verwaltungsbeamten der Spitze tatsächlich auch an der Front gewesen war.

Ralf Heimann: Die Demokratie war ja damals noch ganz jung. Es gab einerseits die, die in der neuen Regierungsform eine große Chance sahen,

Ralf Heimann: aber dann gab es auch die, die sich das Kaiserreich zurückwünschten. Und wo stand Sperrlich?

Michael Jung: Sperrlich war erstmal jemand, der stand auf der rechten Seite des Zentrums. Das war nicht ungewöhnlich. Man muss ja bedenken, er hatte seine Karriere ja noch im Kaiserreich begonnen. Im Kaiserreich wurde auf der kommunalen Ebene noch nach Zensuswahlrecht gewählt. Das heißt, die Stimmen zählten nicht gleich, sondern die von Vermögenden zählten eben mehr.

Michael Jung: Das änderte sich mit der Republik dann schlagartig, mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts. Damit änderte sich auch die Zentrumspartei, auch hier in Münster, gravierend. Plötzlich spielte der Gewerkschaftsflügel eine wichtige Rolle. Das waren alles Entwicklungen, die für spärlich eher befremdlich waren und zu denen er nur schweren Zugang gefunden hat.

Michael Jung: Und die Republik, da muss man sich, glaube ich, keine Illusionen hingeben, gehörte verspärlich zu einer Degenerationsentwicklung. Und das wurde auch an ganz vielen symbolischen Handlungen des Oberbürgermeisters deutlich. Ich mache das mal an ein paar Beispielen.

Michael Jung: 1924 lädt der Oberpräsident von Westfalen, ein deutlich auf der republikanischen Seite stehender Mann, Johannes Kronowski, den Reichspräsidenten ein zum fünften Jahrestag der Weimarer Reichsverfassung.

Michael Jung: Das am 11. August 1924. Und das Erste, was sperrig dazu einfällt, ist, er hat keine Zeit. Er ist im Sommerurlaub.

Michael Jung: Das lässt der Oberpräsident eben nicht durchgehen, er muss also den Reichspräsidenten doch empfangen.

Michael Jung: Und das führt dazu, dass Sperlich eine Begrüßungsrede hält, in der er erstmal den westfälischen Frieden als einen ähnlichen Schmachfrieden verurteilt wie den Versailler Vertrag aus seiner Sicht

Michael Jung: und vor allem kein einziges Wort über die Weimarer Reichsverfassung fallen lässt.

Michael Jung: Das ist eine Brüskierung von Ebert natürlich.

Michael Jung: Auch die Begleitmusik der radikalen Rechten in der Stadt kommt dazu.

Michael Jung: Und es gibt noch ganz viele andere Gelegenheiten, nämlich wann immer sich eine offizielle Gelegenheit bot,

Michael Jung: hat Sperliches demonstrativ unterlassen, am Rathaus die schwarz-rot-goldene Fahnen der Republik aufzuziehen,

Michael Jung: sondern hat stattdessen nur die Stadtfarbe gehisst, manchmal unter dem Vorwand auch gleich die schwarz-weiß-rote Fahne des Kaiserreichs.

Michael Jung: Und das war natürlich demonstrative Stellungnahmen, die regelmäßig zu heftigen Schlagabdeutschen führten mit der republikanisch gesinnten Verwaltung des Regierungspräsidenten und des Oberpräsidenten.

Michael Jung: Und Sperlich setzte immer wieder das Signal, dass er der Republik kritisch gegenübersteht bis ablehnend.

Michael Jung: Er sprach nicht auf Republikfeiern, sondern auf Reichsgründungsfeiern.

Michael Jung: Am 18. Januar nahm also Bezug aufs Bismarckreich, trat beim Stahlhelm auf, also der rechten Frontsoldatenvereinigung und so weiter.

Michael Jung: Also spärlich gieß kein Zweifel daran, dass er auf Seiten der republikkritischen Rechten steht, auch wenn er formal dem Zentrum angehörte.

Ralf Heimann: Es war ja, wenn man sich mal anschaut, was in Münster zu dieser Zeit so los war, nicht die beste Zeit, um große Projekte zu starten.

Ralf Heimann: Also es ging der Stadt finanziell schlecht.

Ralf Heimann: Es gab Wohnungsnot, ähnliche Probleme wie heute.

Ralf Heimann: Wie hat Sperlich das geschafft, in dieser Zeit so viel zu bewegen?

Michael Jung: Ja, das war genau das Problem.

Michael Jung: Also man musste für große Projekte viel Geld mobilisieren und das Geld war nicht da.

Michael Jung: Der Hintergrund dafür war, dass die kommunalen Finanzen,

Michael Jung: so wie die Reichs- und Landesfinanzen damals auch,

Michael Jung: natürlich unter dem Problem stand, dass es die Hyperinflation gegeben hatte,

Michael Jung: dass die Steuereinnahmen massiv gesunken waren.

Michael Jung: Das Wirtschaftsaufkommen hatte Mitte der 20er-Jahre

Michael Jung: noch lange nicht wieder das Vorkriegsniveau erreicht.

Michael Jung: Hinzu kam, dass natürlich auch die Belastungen des Versergervertrags,

Michael Jung: der Reparationszahlungen sich auch niederschlugen

Michael Jung: und gleichzeitig eben die Arbeitslosigkeit immer wieder hoch war.

Michael Jung: Und das hieß natürlich für die kommunale Fürsorge,

Michael Jung: dass da natürlich auch entsprechende Kosten anfielen.

Michael Jung: Insofern gab es ein dauerhaftes Finanzproblem und insofern mussten Wege gesucht werden, wie man das umgehen wollte.

Michael Jung: Und damit sind wir eigentlich auch schon fast mitten in den großen Skandalen drin.

Michael Jung: Wir machen das mal am Beispiel des Wohnungsbaus.

Michael Jung: Da griff man nämlich auf, heute würden wir vielleicht sagen, Public-Private-Partnership-Konstruktion zurück.

Michael Jung: Das heißt, die Stadt entwickelte Bauprojekte, Bauvorhaben nicht selbst, sondern sie überließ das privaten Bauträgergesellschaften.

Michael Jung: Und diese Bauträgergesellschaften waren als solche auch nicht ausreichend kapitalisiert.

Michael Jung: Die Warnmar-Publik hatte ja insgesamt ein großes Problem bei der Kapitalbeschaffung.

Michael Jung: Und das bedeutete, dass die Stadt mit Bürgschaften eintrat.

Michael Jung: Das heißt, Bürgschaften waren das Mittel der Wahl, um eben gegenüber Banken dann beispielsweise dafür sorgen zu können, dass diese Bauträgergesellschaften überhaupt in die Lage versetzt wurden, Dinge herstellen zu können.

Michael Jung: Das funktionierte eine Weile auch ganz gut. Also die Stadt hatte mit den westfälischen Heimstätten nicht nur eine eigene städtische Wohnungsbaugesellschaft, sondern sie hat eben über solche Bürgschaften, daneben auch private Baugesellschaften in die Lage versetzt, planerisch ausgewiesene Dinge zu entwickeln.

Michael Jung: Am wichtigsten sind dabei die Areale am heutigen Bohlweg und links und rechts von der Hammerstraße, also Richtung Wasserturm, das Geistviertel.

Michael Jung: Also alles, was um das Haus Sendmaring gelegen war, das wurde damals vermarktet und der Partner dabei war Major Hessling.

Michael Jung: Und Major Hessling, dem gehörte das Ganze, er hatte das mal als gut erworben oder seine Vorfahren.

Michael Jung: Und jetzt wurde eben das Geld daraus gemacht.

Michael Jung: Das heißt, daraus wurde Wohnerwartungsland und Hessling gründete jetzt eine ganze Menge von Gesellschaften, die das entwickeln sollte und die Stadt finanzierte das Ganze.

Michael Jung: Es waren noch andere Finanziers dabei und am Ende werden die Bürgschaften schlagend.

Michael Jung: Und das hat was mit der Weltwirtschaftskrise zu tun.

Michael Jung: Das heißt, Ende der 1920er Jahre kommt es ja dann zu einer heftigen Verwerfung erst, die dann rasch auch zu einer Bankenkrise wird.

Michael Jung: Und der Wohnungsbau geht zurück, die wirtschaftliche Lage verschlechtert sich, die Finanzierungsbedingungen erst recht und damit werden die Bürgschaften plötzlich schlagend.

Michael Jung: Und das Ergebnis ist, dass die Stadt Münster auf halbfertigen Baugebieten sitzen bleibt, dass sie nicht nur zahlen muss, sondern auch feststellen muss, dass die privaten Finanziers gute Geschäfte gemacht haben.

Michael Jung: dass nämlich bestimmte etwas nachlässig verhandelte Vertragsklauseln dazu geführt haben,

Michael Jung: dass die privaten Gewinne hoch und die öffentlichen Verluste auch hoch waren.

Michael Jung: Das heißt, konkret lief das dann so, dass man im Vertrag vereinbart hatte,

Michael Jung: dass beispielsweise bis zu 27 Reichsmark den umbauten Kubikmeter eben gezahlt werden.

Michael Jung: Das betrachteten natürlich die Investoren als Freifahrtschein, genau diese 27 Reichsmark auch abzurechnen.

Michael Jung: Und das heißt, die Stadt übernahm dann später zu viel zu hohen Gestehungskosten dann diese Bauträgerprojekte.

Ralf Heimann: Das ging aber auch, also es ist ja zu dieser Zeit nicht das einzige Projekt, verhältnismäßig schnell alles. Wenn man sich das so im Vergleich zu heute anschaut, also wir haben auch große Baugebiete in der Stadt, die Oxford-Kaserne, die York-Kaserne, wo seit Jahren Wohnungen gebaut werden sollen. Da gibt es parallel gerade wieder ein Projekt zum Preußenstadion, das auch sehr, sehr lange gedauert hat. Die Halle Münsterland, da könnte man sagen, seit 2016 hat die Stadt versucht, den Musikcampus zu bauen. Warum ging das alles in so einer enormen Geschwindigkeit?

Michael Jung: Weil natürlich die planungsrechtlichen Voraussetzungen anders waren als heutzutage.

Michael Jung: Auch die Ausschreibungsbedingungen waren anders.

Michael Jung: Das heißt, man musste ja nicht wie heute Leistungen europaweit ausschreiben,

Michael Jung: beispielsweise um jetzt ein Stadion zu bauen, sondern man konnte das sozusagen freihändig vergeben.

Michael Jung: Warum es trotzdem gut ist, dass es heute anders ist, sieht man am Beispiel der Amtszeit von Sperlich.

Michael Jung: Da war es dann eben so, dass beispielsweise die Stadt die Vereinbarung hatte,

Michael Jung: dass für bestimmte Vorhaben eben vor allem münsterische Firmen zum Zuge kommen sollen.

Michael Jung: Das heißt, man betrieb damit auch Wirtschaftsförderung.

Michael Jung: Der Gedanke war ja erstmal richtig, dass man sozusagen münsterischen Mittelständlern Aufträge zukommen lassen wollte.

Michael Jung: Also beispielsweise bei den Wohnungsprojekten gab man beispielsweise den, verkünfte man die Bürgschaften mit der Auflage,

Michael Jung: dass dabei münsterische Malerfirmen beispielsweise den Auftrag kriegen sollten.

Michael Jung: Das steuert aber natürlich über die Herkunft nicht wie heute über den Preis.

Michael Jung: Und damit war man eben nicht auf der sicheren Seite, dass man den günstigen Preis hat. Und im konkreten Fall gibt es dann riesig Aufregung an einer Stelle, als sich nämlich herausstellt, dass gar keine Münstersche Mahler Firma den Auftrag bekommen hat, sondern einer aus Köln.

Michael Jung: Und der Verein der Kaufmannschaft ist in großer Aufregung, die Konkurrenzfirmen natürlich erst recht. Und dann stellt sich im Höhepunkt der Affäre auch noch raus, wer die Geschäftsführer dieser Kölner Firma sind, die bis dahin in Münster keiner kennt. Das sind nämlich die beiden Schwaler des Oberbürgermeisters.

Michael Jung: Und damit sind wir schon wieder am Punkt, dass natürlich das damals fehlende Vergaberecht oder die vergebenen fehlenden vergaberechtlichen Vorgaben natürlich genau solchen Instrumenten dann eben auch zeigen, wie hoch die Missbrauchsgefahr ist.

Ralf Heimann: Zwischendurch ein bisschen Werbung in eigener Sache für all die unter Ihnen, die RUMS noch nicht kennen. Wir sind ein digitales Lokalmedium hier für Münster seit inzwischen fünf Jahren und wir wollen nicht einfach nur berichten, sondern etwas machen, was im Lokalen nicht ganz so selbstverständlich ist.

Ralf Heimann: Wir wollen etwas genauer hinschauen, ausführlich recherchieren, Zusammenhänge erklären und einordnen.

Ralf Heimann: Das Ganze machen wir in einem Brief, so nennen wir das Format.

Ralf Heimann: Das ist ein Newsletter, den wir zweimal die Woche per E-Mail an unsere Abonnentinnen und Abonnenten verschicken.

Ralf Heimann: Darin geht es um all das, was in Münster gerade wichtig ist.

Ralf Heimann: Dazu verschicken wir jeweils sonntags und an jedem zweiten Donnerstag Kolumnen,

Ralf Heimann: also ausführliche Texte zu bestimmten Themen, in denen wir uns mit Preußen Münster beschäftigen,

Ralf Heimann: dem Kulturleben in der Stadt, Massematte, allen möglichen Dingen, auch der Lokalpolitik.

Ralf Heimann: Wenn Sie das alles mal ausprobieren wollen, dann gehen Sie auf unsere Website rums.ms.

Ralf Heimann: Da können Sie ein Probeabo abschließen. Und jetzt geht es weiter mit dem Podcast.

Ralf Heimann: Weißt du etwas über die Debatten, die es dazu damals in der Stadt gab?

Ralf Heimann: Also die demokratische Kultur war ja noch nicht so alt und es gab auch noch nicht die medialen Möglichkeiten,

Ralf Heimann: Debatten überhaupt stattfinden zu lassen. Aber wenn man die Projekte, die großen Projekte, die es damals gab, sich so anschaut und dann schaut, was heute so alles passiert, bevor die ersten Bagger anrollen, dann kann man ja sagen, auch das ging damals sehr, sehr viel schneller.

Michael Jung: Das ging fixer, allerdings auch mit einem hohen Preis. Also es gab einen Fall, der vielleicht auch gewisse Parallelen zur Gegenwart hat. Es ging um die Ansiedlung eines großen Einzelhandelskomplexes, um die Ansiedlung der Firma Karstadt in der Innenstadt.

Michael Jung: Das sorgte natürlich für heftige Diskussionen, aber man sollte die Diskussionskultur damals überhaupt nicht unterschätzen. Also es kam natürlich zu heftigen Interessenskonflikten zwischen der etablierten Kaufmannschaft, zwischen dem eh schon unter Druck stehenden Einzelhandel, der jetzt fürchten musste, dass er durch ein großes Warenhaus jetzt hier noch weiter unter Druck gerät.

Michael Jung: Und entsprechend heftig fielen die Antworten aus. Also die Kaufmannschaft machte mobil gegen die Karstadt-Ansiedlung, spärlich drückte sie nach anfänglichem Zögern dann sehr entschlossen durch. Das heißt, die Stadt erwarb die Grundstücke, stellte sie der Firma Karstadt zur Verfügung.

Michael Jung: In der Stadtverordnetenversammlung prallten die Interessen aufeinander.

Michael Jung: Da waren zum einen die Leute, die eher die Konsumentenseite vertraten,

Michael Jung: wie zum Beispiel die etwas marginalisierte SPD in der Stadt,

Michael Jung: die sich von niedrigeren Preisen eben auch ein höheres Lebenshaltungsniveau versprach.

Michael Jung: Und auf der anderen Seite eben die etablierten Einzelhändler, die genau das verhindern wollten.

Michael Jung: Das Ergebnis war, die Stadt machte am Ende den Vertrag mit der Firma Karstadt.

Michael Jung: Das Grundstück wurde an Karstadt übertragen und anders als heute wurde auch gleich losgebaut.

Michael Jung: ohne die Baugenehmigung abzuwarten.

Michael Jung: Dann kam die Weltwirtschaftskrise.

Michael Jung: Karstadt verfolgte das Projekt nicht weiter.

Michael Jung: Und was blieb, war ein großes Loch in der Innenstadt.

Michael Jung: Das Karstadtloch.

Michael Jung: Es zeigt eben auch, wie solche Projekte auch damals schon schief gehen konnten.

Michael Jung: Also ein Einzelhandelszentrum, das sozusagen zum Symbol wird für die Frage,

Michael Jung: wie viel wirtschaftliche Modernisierung verträgt die Stadt und wer sind die Verlierer dabei.

Michael Jung: Und dieser Konkurrenzkampf endet am Ende mit einer Blamage für alle Beteiligten, also auch einem symbolischen Scheitern des Oberbürgermeisters, in dem nämlich dann am Ende von diesem Projekt nur eine riesige Baugrube in zentraler Innenstadtlage übrig bleibt.

Ralf Heimann: Und das war ungefähr da, wo sich heute auch Karstadt befindet. Dann gab es aber auch noch andere Projekte, andere größere Projekte, aus denen was geworden ist, zum Beispiel das Preußenstadion.

Michael Jung: Ja, das Preußenstadion war natürlich eine Investition in die Zukunft. Fußball wurde ja damals zum ersten Mal richtig populär nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, hat auch was mit der Entwicklung im Ersten Weltkrieg zu tun.

Michael Jung: Hinzu kam aber, und das muss man natürlich auch an der Stelle sehen, dass diese Sportvereine, dass denen natürlich auch eine gesellschaftspolitische Bedeutung zugeschrieben wurde, die wir heute vielleicht gar nicht mehr so darin sehen.

Michael Jung: Das ist hier natürlich auch in Zeiten der abgeschafften Wehrpflicht durch den Versailler Vertrag um sportliche Ertüchtigung und damit auch militärische Ertüchtigung ging.

Michael Jung: Und diese Sportvereine hatten ja Anfang der 20er Jahre im Zusammenhang auch hier mit der Mobilisierung der Freikorps durchaus eine wichtige Rolle gespielt.

Michael Jung: Und die Münsterschen Freikorps zum Beispiel hatten ja auch die Farben schwarz-weiß-grün.

Michael Jung: Und das zeigt durchaus ja die enge Verknüpfung, die es zwischen dem Wir-Gedanken, wie man das damals nannte,

Michael Jung: und den Auflagen des Versailler Vertrags auf der einen Seite und Sport auf der anderen Seite gab.

Michael Jung: Aber wichtig ist eben auch hier zu sehen, dass der Sport natürlich, jedenfalls so wie er hier auftrat als Mannschaftssport, auch schon eine Modernisierung war gegenüber der älteren Turnerbewegung.

Michael Jung: Und auch das führte zu heftigen Konflikten.

Michael Jung: Also die Turner beispielsweise fanden diese Art von Sportförderung nicht sehr attraktiv, weil sie eben dem älteren Ideal des 19. Jahrhunderts anhängen.

Michael Jung: Und es gab auch insofern heftige Kritik, ob das nicht alles viel zu englisch sei, was man da macht.

Ralf Heimann: Dann hat sich der Fußball aber irgendwie doch noch durchgesetzt.

Ralf Heimann: Wahrscheinlich.

Ralf Heimann: Ja, und wenn man jetzt die Hammerstraße runterläuft oder fährt, dann die Geiststraße hoch, dann ist man irgendwann da, wo heute der Aase ist.

Ralf Heimann: Damals war da noch eine Wiese.

Michael Jung: Ja, es ging ja sozusagen um ein großes Projekt der, ja letztlich auch Arbeitsbeschaffung.

Michael Jung: Das kann man gar nicht anders sagen.

Michael Jung: Es gab ja die ganze Weimarer Republik über schon weit höhere Arbeitslosigkeit als während des Kaiserreiches.

Michael Jung: Auch die 20er Jahre waren durchaus nicht so golden und lowing 20s, wie man das manchmal heute darstellt.

Michael Jung: Auch Mitte der 20er Jahre hat es durchaus auch nochmal einen Anstieg der Arbeitslosigkeit gegeben.

Michael Jung: Und daraus erwuchsen dann die ersten Ideen, ob man nicht vielleicht auch mit Hilfe von großflächigen,

Michael Jung: öffentlich finanzierten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Infrastruktur schaffen und gleichzeitig die Arbeitslosen von der Straße bekommt.

Michael Jung: Und da war der Ahrsee eben ein wichtiges Projekt, mit dem man sicherstellen wollte, dass die Überflutung, die die Ahr ja bis dahin in der Stadt immer wieder gemacht hatte,

Michael Jung: abstellen konnte und gleichzeitig auch so etwas schaffen könnte wie ein erstes Naherholungsgebiet, kann man vielleicht nicht sagen,

Michael Jung: aber auf jeden Fall natürlich auch Orte mit einer Aufenthaltsqualität.

Michael Jung: Und am Anfang konnte man im Asi tatsächlich auch noch schwimmen.

Michael Jung: Und insofern war das ja für viele in der Wärme-Opublik durchaus ein attraktives Projekt.

Michael Jung: Man muss allerdings auch sagen, es war für Menschen attraktiv,

Michael Jung: die in der Republik zum ersten Mal auch ihre Stimme zu Gehör bringen konnten.

Michael Jung: Und die klassischen städtischen Eliten fanden dieses Projekt vielleicht auch nicht an allererster Stelle.

Michael Jung: angesiedelt.

Ralf Heimann: Ist das denn ein Projekt gewesen,

Ralf Heimann: auf das die ganze Stadt sich gefreut hat?

Ralf Heimann: Oder gab es genauso große

Ralf Heimann: Debatten darüber, ob das wirklich so gut ist

Ralf Heimann: wie bei allen anderen Großprojekten?

Michael Jung: Es gab bei allen Sperlichprojekten

Michael Jung: grundsätzlich diese Diskussion, vor allem immer

Michael Jung: gestützt auf das Kostenargument.

Michael Jung: Es gab in der Stadtverratenversammlung

Michael Jung: ja eine sehr starke bürgerliche

Michael Jung: Mehrheit, die

Michael Jung: eher traditionell

Michael Jung: ordnungspolitisch und

Michael Jung: fiskarpolitisch orientiert war und die

Michael Jung: Und insbesondere vertreten beispielsweise durch die Männer aus der Kaufmannschaft wie Heinrich Engmerling und so weiter, jedes Mal mit dem Kostenargument dagegen zu Felde zogen und die Frage stellten, muss das denn nun wirklich sein?

Ralf Heimann: Und das war ja auch bei der Halle Münsterland so, wo die Frage war, ist die denn nicht ein bisschen groß geraten?

Ralf Heimann: Also ursprünglich war das ja keine Veranstaltungshalle, sondern da sollten vor allem Rinderauktionen stattfinden.

Michael Jung: Ja, das war der klassische Kompromiss. Am Ende ist es ja bekanntlich, hat es sich ja eher in die andere Richtung entwickelt. Aber zunächst einmal war das ja eine klassische Auktionshalle oder so gedacht und die natürlich dann ihren Charakter auch in Richtung Veranstaltungshalle und so weiter ja schon auch während der Amtszeit von Sperlich deutlich akzentuierte.

Michael Jung: Also die Massenveranstaltung zum Beispiel mit dem Hitlerauftritt 1932 fand ja auch schon eine Halle Münzerland statt. Also man sieht, der Vorwurf, das handelt sich sozusagen nur um eine Rinderauktionshalle, die viel zu teuer und überdimensioniert geraten sei, war damals auch schon falsch.

Michael Jung: Das war natürlich auch eine Massenveranstaltung. Aber genau dieser Punkt mit Masse und großen Menschenmengen, das war ja was, was letztlich einer traditioneller orientierten Sichtweise auch widersprach. Also etwas, was man als Angehöriger der traditionellen Eliten vielleicht auch kritisch sehen konnte.

Ralf Heimann: Über den Hitlerbesuch in den 30er Jahren, 1932 war das, glaube ich, sprechen wir gleich noch ganz kurz. Du hast es gerade schon angesprochen. Ich würde gerne noch, um so einen Überblick darüber zu geben, was in der Zeit in Münster los war, noch über die anderen Projekte sprechen. Also das waren so kleinere Dinge wie das Freibad Coburg, was zur Zeit von Georg Sperlich entstanden ist. Aber dann auch etwas, was man heute, was heute viele gar nicht mehr wissen, der Flughafen, der Loddenheide.

Michael Jung: Ja, das war ein Projekt, was Sperlich auch persönlich extrem wichtig war.

Michael Jung: Also Flughafen galt als wichtiges Zukunftselement.

Michael Jung: Damals haben ja fast alle Städte versucht, Flughäfen zu gründen.

Michael Jung: In Münster kam das militärische Argument natürlich noch dazu.

Michael Jung: Das heißt, es ging hier natürlich auch darum, eine potenziell militärisch brauchbare Infrastruktur auszubauen.

Michael Jung: Und für jemanden, der so orientiert war wie spärlich, also sehr nah am Militär, sehr auf traditionelle nationalistische Werte ausgerichtet, der musste natürlich im Ausbau der Luftverkehrsinfrastruktur eine entscheidende Zukunftsaufgabe sehen.

Michael Jung: Und auch das war natürlich wiederum schwierig, die Grundstücke anzukaufen, Grundstücke zu beschaffen und hinterher auch tatsächlich die Anlagen zu betreiben.

Michael Jung: Sperrlich war er sogar auch persönlich der Vorsitzende des entsprechenden privaten Unterstützungsvereins.

Michael Jung: Also insofern kann man sagen, dafür hat er sich schon besonders ins Zeug gelegt.

Michael Jung: Und die Londoner Heide hat ja dann später als Flughafen durchaus auch noch eine wichtige Rolle bis in den Zweiten Weltkrieg hineingespielt.

Ralf Heimann: Es sind also eine ganze Reihe an Projekten. Es ist viel Gutes, was Georg Sperlich der Stadt getan hat. Womit hat er sich denn so unbeliebt gemacht?

Michael Jung: Zum einen muss man sagen, dass natürlich alle diese Projekte auch ihre Gegnerschaften hatten. Das heißt, nicht alle waren damals der Meinung, dass das eine gute Sache ist oder dass das Geld wert ist. Das ist das eine Problem.

Michael Jung: Also es gab in der Summe eine ganze Menge Menschen, die Sperlich vorwarfen, die falschen Akzente zu setzen. Dazu kam seine persönliche Art. Sperlich hatte noch eine Menge anderer Projekte vor Augen, die vor allem seinem Vorteil dienten.

Michael Jung: Also unter anderem ging es darum, einen neuen Dienstsitz des Oberbürgermeisters zu entwickeln und zwar eine schicke Villa am Kreuztor. Die Villa steht auch heute noch. Die war noch bis in die Nullerjahre im Besitz der Stadt. Das ist dann später erst verkauft worden. Auf jeden Fall, die wurde damals als Dienstsitz von Georg Sperlich projektiert.

Michael Jung: Und da konnte man natürlich die Frage stellen, muss das sein? Und es ist natürlich eine typische Debatte einer demokratischen Gesellschaft. Wie viel Repräsentation verträgt die Stadt?

Michael Jung: So, dazu kam dann was anderes. In der Weimarer Republik wurden vor allem dann in der Zeit der Präsidialkabinette ab 1930 dann ja auch die Bezüge im öffentlichen Dienst im Rahmen der Austeritätspolitik massiv gekürzt.

Michael Jung: Sperlich ging dagegen juristisch vor und siegte auch. Und Sperlich bestand darauf, dass er persönlich dann 4000 Reichsmark auch ausbezahlt bekommt. Und forcht das auch juristisch aus. 4000 Reichsmark, das war ein sehr großes Vermögen damals. Für viele Menschen waren das mehrere Jahresgehälter.

Michael Jung: Und insofern kann man sich vorstellen, dass diese Punkte, bei denen der Oberbürgermeister so ganz eindeutig aus seiner Sicht für sein wohl erworbenes Recht auf der anderen Seite aus Sicht anderer aber vielleicht auch zu stark für die eigene Tasche agierte, dass das natürlich zu einer extremen Polarisierung führte.

Michael Jung: Und das andere ist eben, dass die Skandale jetzt dazu kamen. Also die städtischen Finanzen gerieten in Schieflage. Das war nicht nur in Münster so, aber diese Bauskandale schützten das Ganze natürlich. Und da musste die Stadt plötzlich für Fehler einstehen mit großen Summen, die in der Verwaltung gemacht worden waren.

Michael Jung: Und da stellte sich natürlich die Frage, hat der Oberbürgermeister sie gemacht? Und der Oberbürgermeister geht dann in die Offensive und sagt, ja, ich leite ein Disziplinarverfahren ein gegen alle, gegen die ganze Verwaltungsspitze und dann soll doch mal ermittelt werden von der Kommunalaufsicht.

Michael Jung: Das führte jetzt nicht unbedingt zu viel Freude im Magistrat, also im hauptamtlichen Verwaltungsvorstand, wie man sich vorstellen kann, dass vor allem, weil das natürlich erkennbar mit der Absicht geschehen war, dass Berlich die Verantwortung von sich wegschieben wollte.

Michael Jung: Und insofern führt es auch da zu erheblichen Brüchen, Konfrontationen. Die Leute arbeiten gegeneinander. Es kommt zu Durchstechereien. Dazu kommt natürlich, dass auch im Zentrum die Meinung über Sperlich mehr und mehr auseinanderging.

Michael Jung: Es gab eine Fraktionsgruppierung, die eher dem Arbeiter- und Gewerkschaftslager gegenüberstand, dem Fritz Stricker.

Michael Jung: Und es gab sozusagen die Traditionellen, auf die Herr Sperlich sich stützte, also die etwas weiter rechtsorientierten Zentrumsvertreter.

Michael Jung: Und das alles führt dazu, dass es am Ende mehrere Zentrumslisten bei einer Kommunalwahl gibt, also zwei, die konkurrieren, gegeneinander antreten.

Michael Jung: Da musste Kommunalwahl wiederholt werden. Man kann sehen, dass es auch mehrere Zeitungen plötzlich gibt, also auch die Zentrumslinie vertreten, aber sehr unterschiedlich und zwar für und gegen den Oberbürgermeister.

Michael Jung: Und insofern sieht man, wie extrem polarisierend Sperlich auch gewirkt hat. Und das hat er nicht unbedingt nur seinen inhaltlichen Projekten zuzuschreiben, sondern vor allem auch seinem persönlichen Auftreten, das derartig kompromisslos war und an vielen Stellen eben auch kompromisslos eigennützig war, dass er eben auch viel Anlass zur Kritik bot.

Ralf Heimann: Wir sind jetzt also am Ende des Jahres 1931 und die Abwahl von Georg Sperlich steht kurz bevor. Was ist da los in Münster und was passiert da?

Michael Jung: Ja, ich habe es ja gerade schon angedeutet. Das Zentrum hat sich auch als dominante politische Gruppierung über die Person spärlich gründlich zerlegt. Es gibt sozusagen Unterstützer und es gibt Gegner und zwar sowohl im hauptamtlichen Magistrat als auch in der Stadtverordnetenfraktion.

Michael Jung: Und die Positionen sind relativ unvereinbar und dieser ganze Skandalhintergrund spielt jetzt noch eine Rolle und bringt jetzt noch einen weiteren aktuellen Spiel, nämlich den Regierungspräsidenten Ammelungsen.

Michael Jung: Ammelungsen ist jemand, der zwar in derselben Partei ist wie Sperlich, aber trotzdem auf einer ganz anderen Seite steht, nämlich auf der Seite der Republik.

Michael Jung: Und Amelungs nutzt jetzt die günstige Gelegenheit natürlich auch, mit den Mitteln der Kommunalaufsicht gegen Sperlich vorzugehen und zu gucken, wo hat der Oberbürgermeister vielleicht auch gegen seine Dienstpflichten verstoßen.

Michael Jung: Und Sperlich selber hat ja den Anlass dazu geboten, indem er das Disziplinarverfahren gegen den ganzen Magistrat eingeleitet hat.

Michael Jung: Und diese Chance lässt Amelungsen sich auch nicht entgehen und es ist kein Zweifel daran, dass er zwar aus der Deckung, aber sehr deutlich hier mitarbeitet. Und dazu kommen eben die Gegner, die Sperrlich sich im Magistrat selber gemacht hat, also unter seinen beigeordneten Kollegen.

Michael Jung: Und all das führt dann zu einer Situation, dass es am Ende in der Stadtverordnetenversammlung zur Wahl kommt und eine Mehrheit für spärlich nicht erreicht wird.

Michael Jung: Und damit ist der Oberbürgermeister abgewählt und das Zentrum muss sich für Nachfolger entscheiden, findet den auch beim Provinzialverband mit Karl Zuhorn.

Michael Jung: Zuhorn und es ist dann im verbleibenden Jahr 1932 dann Sache von Karl Zuhorn, die rauchenden Trümmer aufzuräumen, die dieser Konflikt hinterlassen hat.

Michael Jung: Und er versucht das auch. Es gibt einen Untersuchungsausschuss in der Stadtverordnetenversammlung, der die ganzen Skandale aufarbeiten soll.

Michael Jung: Und am Ende kommt es dann zu einem Vergleich. Der kostet die Stadt sehr, sehr viel Geld.

Michael Jung: Am Ende kommt die Stadt aber in den Besitz der ganzen defizitären Bauträgergesellschaften und kann damit dann am Ende Stadtentwicklung betreiben.

Michael Jung: Allerdings in einer Zeit, die dann schon dem Nationalsozialismus zugehört.

Michael Jung: Das heißt, am Ende wird das Ganze quasi systematisch aufgearbeitet, so wie man das von einer Demokratie eigentlich erwarten sollte.

Michael Jung: Das heißt, es gibt mediale Begleitung, es gibt einen Untersuchungsausschuss und es gibt harte personelle Konsequenzen.

Michael Jung: auch im personalen Schnitt mit der Abwahl von spärlich.

Michael Jung: Alles in allem muss man sagen, unter demokratischem Gesichtspunkt,

Michael Jung: eigentlich genau das, wie man einen Skandal aufarbeitet.

Michael Jung: Das Problem ist nur, es gibt inzwischen Leute in der Stadt,

Michael Jung: die daran kein Interesse haben und das sind die Nationalsozialisten.

Michael Jung: Die Nationalsozialisten nehmen das natürlich dankbar auf,

Michael Jung: was da passiert, auch an Skandalen und nutzen es für ihre Propaganda

Michael Jung: und sagen, das ist nicht das

Michael Jung: Fehlverhalten einzelner

Michael Jung: Fehler

Michael Jung: in der Verwaltung, sondern sie sagen, das ist

Michael Jung: das System. Die machen

Michael Jung: sich die Taschen voll, die bonzen

Michael Jung: und Sperlig

Michael Jung: liefert damit natürlich die Beispiele

Michael Jung: mit seinem Beharren auch

Michael Jung: auf Bezugsansprüchen

Michael Jung: auf seine Bezüge und dergleichen

Michael Jung: mit seinem Streben

Michael Jung: nach einem neuen Dienstsitz und sowas

Michael Jung: alles. Das sind natürlich plakative Beispiele,

Michael Jung: die sich die Nationalsozialisten nicht ausdenken müssen, die sie aber gerne aufgreifen und in eine grundlegende ätzende Systemkritik verwandeln.

Ralf Heimann: Noch einmal zurück zu diesem Tag, an dem Georg Sperlich abgewählt wird. Wie reagiert er darauf?

Michael Jung: So, dass er den Rest seines Lebens damit beschäftigt ist, diesen Vorgang aufzuarbeiten.

Michael Jung: Also er ist dabei sozusagen erstmal nochmal Rechtfertigungsgründe zusammenzutragen, die er auch den Stadtverordneten allen zukommen lässt.

Michael Jung: Der ist eine seitlange Bilanz seiner Amtszeit, die er dann nochmal verschickt, wo er sich gegen die Vorwürfe zur Wehr setzt. Und als das dann alles nicht fruchtet, dann hat er ja noch ein paar Monate im Amt, versucht dann noch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, alle nochmal auch gegen den Magistrat, der jetzt im Amt verbleibt, also die Beigeordneten unterhalb der Oberbürgermeister-Ebene,

Michael Jung: sozusagen nochmal ein bisschen in Stellung zu bringen, insbesondere auch Material zu sammeln gegen diejenigen, denen er seinen Sturz zuschreibt.

Michael Jung: Und am Ende zeigt der Oberbürgermeister im Jahr 1932, dass er auch den finalen Schnitt macht und er verlässt seine Partei.

Michael Jung: stellt dem Zentrum gewissermaßen den Schuh vor die Tür,

Michael Jung: wird den Münster-Chef des Stahlhelms, der alten Frontsoldatenorganisation,

Michael Jung: die jetzt auf Seiten der radikalen republikfeindlichen Rechten in der Harzburger Front steht

Michael Jung: und auch am Ende ins Bündnis mit den Nationalsozialisten geht.

Michael Jung: Und als Hitler 1932 in die Stadt kommt, ist spärlich nicht mehr im Amt am 10. April.

Michael Jung: Er ist inzwischen ausgeschieden und da sieht man den Oberbürgermeister bei der Hitler-Kundgebung in Münster,

Michael Jung: die erste große, eine große Massenveranstaltung in Halle Münsterland, auf der Logen sitzen und begeistert jubeln.

Michael Jung: Das führt dann nochmal zu einem Disziplinarverfahren gegen ihn, weil die immer noch republikanische Preußenverwaltung sich das so nicht bieten lassen will,

Michael Jung: fordert ihn zur Stellungnahme auf und Sperlich behauptet,

Michael Jung: da habe er ja immer schon auch in seiner Amtszeit politische Versammlungen aller Parteien außer der Kommunisten besucht

Michael Jung: und habe nur an vaterländisch wertvollen Stellen bejubelt.

Michael Jung: Da können die Meinungen dann auseinandergehen, wie sich Sperlich da wirklich gerührt hat.

Michael Jung: Er macht auf jeden Fall klar, dass er an dieser Stelle mit seiner alten Partei nichts mehr zu tun haben will.

Michael Jung: Er wird dann Mitglied der deutschen Nationalen, also der traditionellen republikfeindlichen Rechten unter Hugenberg,

Michael Jung: die ja dann Anfang 1933 das Bündnis mit Hitler vollzieht.

Michael Jung: Und damit zeigt Spärlich natürlich, dass er jetzt die Brücken abgebrochen hat.

Michael Jung: Aber das heißt natürlich auch, dass die Skandalgeschichte weitergeht im Jahr 1932.

Michael Jung: Denn jetzt ist da jemand, der noch saftige Skandalgeschichten kennt und auch nicht zögert, die an die Presse durchzustechen.

Michael Jung: Und es ist kein Zweifel, dass natürlich ganz viel, was jetzt sozusagen in der Skandalpropaganda landet, dass das direkt von spärlich kommt.

Michael Jung: Wenn man heute ins Archiv geht, dann sieht man, dass spärlich unfassbar viele Akten aus der Stadtverwaltung hat mitgehen lassen bei seinem Ruhestand.

Michael Jung: Das heißt, er hatte für sehr viele Dinge Belege zu Hause, hatte die Unterlagen zu Hause und ist kein Zweifel daran, wer mit seinen Kenntnissen dann die republikfeindliche Kampagne des Jahres 32 hier auch kommunal befeuert hat.

Ralf Heimann: Das ist ja eine Situation, über die wir auch heute oft sprechen.

Ralf Heimann: Also die Frage ist, wie kam es denn dazu, dass die Demokratie letztlich überrumpelt wurde?

Ralf Heimann: Und wie gelang es den Nationalsozialisten hier an die Macht zu kommen?

Ralf Heimann: Das ging ja alles sehr schnell.

Ralf Heimann: 1932 war der Hitlerbesuch in der Halle Münsterland.

Ralf Heimann: Da waren ungefähr 1000 Menschen.

Ralf Heimann: Ein Jahr vorher gab es in Münster, glaube ich, noch eine Situation,

Michael Jung: wo die Nationalsozialisten keine öffentlichen Gebäude bekommen haben für ihre Veranstaltungen.

Michael Jung: Ja, auch da spielt Georg Sperlich eine interessante Rolle.

Michael Jung: Der Regierungspräsident Amelungsen ist nämlich der strikten Meinung,

Michael Jung: dass die Nationalsozialisten keine öffentlichen Gebäude für ihre republikfeindliche Hetze nutzen dürfen.

Michael Jung: Eine Diskussion, die wir ja heute auch noch ganz gut kennen.

Michael Jung: Amelungsen versucht das auf dem Verwaltungsweg durchzusetzen.

Michael Jung: Und Sperlich ist derjenige, der sagt, naja, das können wir so nicht machen.

Michael Jung: Sondern die Halle Mösserland kann man auch zur Verfügung stellen.

Michael Jung: Und das zeigt ja schon, dass er auch nach der damaligen Gesichtspunkte kein Mann der Brandmauer war,

Michael Jung: auch wenn es den Begriff damals noch nicht gab,

Michael Jung: sondern im Gegenteil, dass hier in Münster an der kommunalen Verwaltungsspitze jemand stand,

Michael Jung: der letztlich seine ganze Amtszeit über der republikfeindlichen Rechten immer wieder Vorlagen geliefert hatte.

Ralf Heimann: Vielleicht können wir kurz noch über diesen Prozess sprechen, in dem die Demokratie dann letztlich unterging.

Ralf Heimann: Also die Menschen verloren den Glauben an diese Staatsform. Woran lag das?

Michael Jung: Es gab natürlich übergeordnete Gründe dafür.

Michael Jung: Auf der nationalen Ebene der verlorenen Ersten Weltkrieg, die Belastung des Verservertrags,

Michael Jung: die fehlende politische Konsensualisierung wesentlicher Grundentscheidungen der Republik.

Michael Jung: Dazu kamen dann die Hyperinflation und die damit verbundene faktische Enteignung weiter Teile des Bürgertums.

Michael Jung: Schließlich die Weltwirtschaftskrise mit der Massenarbeitslosigkeit.

Michael Jung: So die Rahmenbedingungen trotzdem auf der kommunalen Ebene kann man all das wie unterm Brennglas natürlich auch sehen. Es gab sozusagen Menschen, die nicht mehr wussten, wie sie ihr Einkommen bestreiten sollten. Die kleinen Gewerbetreibenden, der Mittelstand. Plötzlich sieht man sich in der Konkurrenz durch große Warenhäuser wie Karstadt. Wie sollte man da noch bestehen?

Michael Jung: Es gab auf der anderen Seite dann die Stadtverwaltung, die genau diesen Prozess nicht nur nicht verhinderte, sondern sogar unterstützte. Es gab eine rapide Veränderung der Stadt, die aber nicht dazu führte, dass neue Wohnungen entstanden.

Michael Jung: Das heißt, es zogen sehr viele Menschen damals neu in die Stadt. Die Wohnungslage blieb überaus prekär und durch den Vermögensverlust während der Inflation waren viele Menschen natürlich auch nicht in der Lage, selber Wohneigentum zu bilden.

Michael Jung: Im Gegenteil, die Wohnungen wurden immer knapper. Wohnungsnot manifestierte sich symbolisch, auch indem man beispielsweise zum ersten Mal Studenten campen sah vor dem Schloss. Das war schon 1919 so und war ein Symbol für die Republik und ihre Wohnungsnot.

Michael Jung: Und dann sieht man eben, dass genau in diesem zentralen Aufgabenfeld die Stadt in einem Wohnungsbauskandal versinkt, wo es der Verwaltung nicht gelingt, private Profitinteressen einzudämmen, sondern am Ende die Allgemeinheit auf den Kosten sitzen bleibt.

Michael Jung: Und dass das natürlich ein gefundenes Propagandafressen ist, auch für die Nationalsozialisten, ist klar. Und die Nationalsozialisten hatten ja ursprünglich relativ wenig Verankerung so in der Stadt. Es gelingt ihnen aber durch diese Skandalisierungsstrategie deutlich zu machen, dass aus ihrer Sicht das sozusagen nicht irgendwelche Einzelprobleme sind, sondern dass dahinter sozusagen das System steht.

Michael Jung: Und damit wurde die ganze Republik, die demokratische Ordnung delegitimiert. Und das Ganze wurde sozusagen zu einem greifbaren, auch ja nicht im konkreten Einzelfall zu widerlegenden Beispiel für das Versagen der Republik.

Michael Jung: Und dafür hat Sperlich natürlich einiges getan, auch durch sein persönliches Verhalten, genau diese Propaganda zu befeuern. Und man darf das, glaube ich, nicht unterschätzen. Die Nationalsozialisten haben das ja auch selbst noch nach ihrer Machtübernahme genüsslich ausgebreitet mit Untersuchungsausschüssen, Veröffentlichungen, Publikationen und so weiter, dass sie jetzt den Sumpf aufräumen.

Michael Jung: Und das Problem war eben, dass natürlich eigentlich der Sumpf schon trockengelegt war durch die demokratischen Gremien noch vor der nationalsozialistischen Machtübernahme und die nötigen Konsequenzen auch gezogen waren.

Michael Jung: Dass aber die Nationalsozialisten diese Debatte dann noch bewusst verlängern, um daraus politisches Kapital schlagen zu können für die Legitimation des politischen Umsturzes, den sie vorgenommen haben.

Ralf Heimann: Wie ging es für Georg Sperlich dann im Nationalsozialismus weiter?

Michael Jung: Ja, erstmal gut versorgt, kann man sagen. Er hatte ja seine Ruhestandsbezüge als Oberbürgermeister, hat dann noch um seinen Ruf gekämpft, auch in den Untersuchungsausschüssen. Da war allerdings relativ schnell auch klar, dass es nicht mehr um den abgelösten Oberbürgermeister eigentlich ging, sondern dass dieser Untersuchungsausschuss in der Stadtverordnetenversammlung nur dazu diente, jetzt die demokratischen Mitglieder des Magistrats zu beseitigen, indem man ihm in der Misswirtschaft und dergleichen vorwarf, also die Beteiligung an den Skandalen.

Michael Jung: Dazu lieferte Sperlich zum Teil natürlich gerne auch die Argumente, weil das auch seine persönlichen Gegner waren aus seinem Abwahlverfahren.

Michael Jung: Und insofern hat er dann sehr rasch auch seinen Frieden mit dem neuen Regime gemacht und hat dann in den noch verbleibenden Jahren dann hier letztlich das Leben eines durchaus geachteten Pensionärs geführt.

Michael Jung: Er war dann kurz vor seinem Tod auch noch im Militär.

Michael Jung: Ja, Sperlich war ja ursprünglich ein Frontsoldat gewesen im Ersten Weltkrieg. Er ist eines von wenigen Mitgliedern aus der kommunalen Spitzenverwaltung und hat sich dann reaktivieren lassen.

Michael Jung: Er war allerdings natürlich in fortgeschrittenem Alter, war er damals auch schon über 60, natürlich nicht mehr für den tatsächlichen Fronteinsatz oder dergleichen, aber wollte damit natürlich auch seine patriotische Gesinnung nochmal bekunden.

Michael Jung: Wurde allerdings dann durch den Tod gehindert, weil er dann Ende 1941 Opfer eines Verkehrsunfalls geworden ist und dann gestorben ist.

Ralf Heimann: Wenn wir uns diese ganze Geschichte jetzt nochmal anschauen, im Rückblick, wofür steht Georg Sperlich?

Michael Jung: Georg Sperlich steht eigentlich für eine Modernisierung von O.

Michael Jung: Das kann man glaube ich so sagen, einer Modernisierung, die wenig nach den Preisen und Kosten fragt, die andere zahlen.

Michael Jung: Eine Modernisierung, die setzt auf ein Konzept, das man als Verwaltungsspitze gewissermaßen im Kopf hat, das aber nicht unbedingt Akzeptanz genießt in der Gesellschaft.

Michael Jung: Das ist das eine. Und das andere, für spärlich steht, ist jemand, der natürlich keinerlei Hemmung hat gegen die republikanische, demokratische Staatsform, die er zutiefst ablehnt, auch deutlich Positionen zu beziehen.

Michael Jung: und insofern auch deutlich dazu beiträgt, einer radikalen, republikfeindlichen Rechten in den Sattel zu helfen.

Michael Jung: Und in dem Moment, wo er unter Druck gerät, eben auch keine Rücksichten auf irgendjemanden kennt.

Michael Jung: Und insofern ist Sperrlich eine sehr ambivalente Figur.

Michael Jung: Auf der einen Seite stehen seine bis heute erkennbaren,

Michael Jung: grundlegenden Entscheidungen für die Stadtentwicklung.

Michael Jung: Auf der anderen Seite steht die politische Bilanz,

Michael Jung: die eben sehr fragwürdig und schwierig ist

Michael Jung: und natürlich auch eine Belastung für die Republik war.

Ralf Heimann: Ja, wir haben jetzt bislang über drei Männer in diesem Podcast gesprochen.

Ralf Heimann: Das wollen wir beim nächsten Mal ändern.

Ralf Heimann: Dann geht es um eine Frau. Michael, um wen?

Michael Jung: Ja, dann geht es um Therese Sterner, einer Kauffrau aus Münster, die zweimal um ihr Vermögen gebracht wurde.

Michael Jung: Einmal während deiner Zeit und einmal danach.

Ralf Heimann: Darüber sprechen wir beim nächsten Mal.

Ralf Heimann: Und zum Schluss noch ein Hinweis.

Ralf Heimann: Wenn Sie Fragen oder Anregungen zu unserem Podcast haben, dann schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an redaktion.rums.ms.

Ralf Heimann: Da erreichen Sie mich oder meine Kolleginnen und Kollegen in der RUMS-Redaktion.

Ralf Heimann: Schauen Sie sich auch gerne unsere Website an, rums.ms.

Ralf Heimann: Da können Sie ein Probeabo abschließen und sich in aller Ruhe ansehen, was wir so machen.

Ralf Heimann: Dann bleibt mir noch zu sagen, vielen Dank fürs Zuhören und hoffentlich bis zum nächsten Mal.

Ralf Heimann: Musik

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