Bevor wir's vergessen – der RUMS-Geschichtspodcast

Der Historiker Dr. Michael Jung und der Journalist Ralf Heimann erzählen Geschichten über Menschen aus Münster, die nicht in Geschichtsbüchern stehen, aber viel über ihre Zeit verraten.

Es geht um Opportunismus, Macht, Angst und Mut im Nationalsozialismus – und darum, wie sich die großen Mechanismen der Geschichte im Kleinen zeigen.

Bevor wir's vergessen – der RUMS-Geschichtspodcast

Neueste Episoden

Folge 6: Die Rechtsextremen und der grüne Wasserstoff

Folge 6: Die Rechtsextremen und der grüne Wasserstoff

38m 47s

Grüner Wasserstoff klingt nach Klimakrise, Energiewende und Zukunft. In Münster hatte die Idee allerdings schon vor gut hundert Jahren Konjunktur – in einem ganz anderen politischen Milieu.

In der frühen Weimarer Republik war Münster ein Sammelbecken für Rechtsextreme, Freikorpsleute, radikalisierte Studenten, Professoren, Adelige und deutschnationale Unternehmer. Nach der Besetzung des Ruhrgebiets 1923 wurde Kohle knapp. In dieser Situation versprach der Ingenieur Franz Lawaczeck eine Lösung: Wasserstoff, hergestellt ohne Kohle, angeblich billig, effizient und geeignet, Deutschland energieautark zu machen.

Für die radikale Rechte in Münster klang das nach mehr als einer technischen Erfindung. Es war die Hoffnung auf wirtschaftlichen Einfluss, politische...

Folge 5: Die kühne Flucht der Familie Stein

Folge 5: Die kühne Flucht der Familie Stein

39m 20s

Walter und Ida Stein stammen aus einer wohlhabenden jüdischen Unternehmerfamilie in Münster. Doch ab 1933 wird es für sie im Alltag immer schwerer: Die Familie gerät unter Druck. 1938 will man ihnen auch ihre Beteiligung an einem Zementwerk nehmen.

Es folgt eine außergewöhnliche Fluchtgeschichte. Mit Hilfe eines riskanten Bargeldgeschäfts gelingt es Walter und Ida Stein, einen Teil ihres Vermögens dem Zugriff des NS-Staates zu entziehen und noch am selben Abend über die niederländische Grenze zu fliehen.

Diese Geschichte spielt in Münster. Sie erzählt nicht nur von Verfolgung und Enteignung, sondern auch davon, wie sehr Überleben davon abhing, ob jemand Vermögen...

Folge 4: Das Haus der Therese Stern

Folge 4: Das Haus der Therese Stern

43m 21s

Im Münster der 1930er-Jahre lebt die jüdische Unternehmerin Therese Stern ein angesehenes, erfolgreiches Leben. Sie führt ein Geschäft, besitzt ein Haus, ist Teil der Stadtgesellschaft. Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten kippt alles.

Ihr früherer Angestellter Karl Jansen, ein ehrgeiziger Geschäftsmann, erkennt früh, wie man im neuen System aufsteigen kann. Während Therese Stern systematisch entrechtet, enteignet und vertrieben wird, nutzt er ihre Notlage – und übernimmt schließlich ihr Haus und ihr Unternehmen.

Diese Geschichte spielt nicht in Berlin, sondern mitten in Münster. Sie erzählt davon, wie das Unrecht im Nationalsozialismus nicht nur von oben kam, sondern von nebenan – von...

Folge 3: Der Sturz des Oberbürgermeisters von Münster

Folge 3: Der Sturz des Oberbürgermeisters von Münster

45m 39s

Georg Sperlich war von 1920 bis 1932 Oberbürgermeister von Münster. Er war ein Mann der alten Ordnung, pflichtbewusst, autoritär, tief verwurzelt im katholischen Milieu. Sperlich glaubte an Disziplin, Hierarchie und die Macht der Verwaltung, aber nicht an die Demokratie. Während in der Weimarer Republik neue Ideen, Parteien und Bewegungen um Einfluss rangen, hielt Sperlich an einem Bild von Staat und Gesellschaft fest, das längst ins Wanken geraten war.

In dieser Folge geht es um seinen Aufstieg, seinen Sturz und das politische Klima, das die Nationalsozialisten an die Macht brachte. Für Sperlich stand die Brandmauer links von ihm, aber die Demokraten...