Folge 6: Die Rechtsextremen und der grüne Wasserstoff

Shownotes

Grüner Wasserstoff gilt heute als eine Technologie der Energiewende. In dieser Folge geht es um eine frühe, ziemlich überraschende Vorgeschichte: In Münster wurde die Idee schon in den 1920er-Jahren zum Projekt der radikalen Rechten.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Besetzung des Ruhrgebiets 1923 wurde Münster zu einem wichtigen Operationsraum rechtsextremer Netzwerke. Die Stadt lag nahe am besetzten Gebiet, das Militär hatte hier weiter Spielraum, Freikorps, ehemalige Frontsoldaten, radikalisierte Studenten, Professoren und deutschnationale Kreise fanden zusammen. Ein führender Sozialdemokrat der Weimarer Republik beschreibt Münster in dieser Zeit als „München des Nordens“ – als nordwestdeutschen Hotspot des Rechtsextremismus.

In dieser Lage taucht der Ingenieur Franz Lawaczeck auf. Er verspricht, Wasserstoff mit billigem Gleichstrom herstellen zu können – ohne Ruhrkohle, die nun unter Kontrolle der französischen und belgischen Besatzungsmächte steht. Für Münsters Rechte ist das attraktiv: Die Technologie verspricht Energieautarkie, wirtschaftlichen Gewinn und die Möglichkeit, politische Macht auf neuem Wege zurückzugewinnen.

Finanziert wird das Projekt von einem Netzwerk aus deutschnationalen Unternehmern, Adeligen und Professoren. Doch Lawaczeck kann seine Versprechen nicht einlösen. Technische Fragen bleiben ungelöst, Kontrollstrukturen fehlen, immer neues Geld wird gebraucht. Am Ende verliert die Münsteraner Szene viel Geld – und Alfred Hugenberg, Medienzar der Weimarer Republik und erbitterter Feind der Republik, drängt die ursprünglichen Geldgeber nach und nach aus dem Unternehmen.

Die Geschichte zeigt, wie flexibel Ideologie sein kann: Heute lehnen Rechtsextreme erneuerbare Energien oft als Projekt einer angeblich abgehobenen Elite ab. Vor hundert Jahren konnte dieselbe Technologie für sie attraktiv sein – solange sie half, die Republik zu destabilisieren und nationale Autarkie zu versprechen.

In dieser Folge:

• Warum galt Münster in der frühen Weimarer Republik als „München des Nordens“? • Wie wurde grüner Wasserstoff 1923 zu einem Projekt der radikalen Rechten? • Wer finanzierte Franz Lawaczecks Erfindung – und warum? • Warum scheiterte das Projekt technisch, wirtschaftlich und politisch? • Was erzählt die Geschichte über Münsters verdrängte Rolle als Hochburg des nordwestdeutschen Rechtsextremismus?

Ein Podcast von RUMS – Neuer Journalismus für Münster. Moderation: Ralf Heimann Historische Recherche: Dr. Michael Jung

Historische Quellen:

Bisher gibt es historische Forschung nur zu den Aktivitäten Franz Lawaczecks in Bayern zusammen mit den Nationalsozialisten. Wie die Geschichte weitergeht, hat die Historikerin Marita Krauss erforscht. Die Süddeutsche Zeitung hat im Juni 2022 darüber berichtet.

Die archivalischen Grundlagen für die NS-Aktivitäten Lawaczecks sind zu finden BA Berlin-Lichterfelde R 3101/18739. Die münsterländischen Netzwerke und die Aktivitäten in der Weimarer Republik finden sich LA NRW (W) Romberg 1150. Eine Einordnung des Start-ups in den Gesamtkontext rechter Projekte in Münster in der Zeit findet sich bei Michael Jung, Im Netz der Rechten, Münster 2024.

Transkript anzeigen

00:00:02: Wir wissen schon seit Langem, dass Münster in der Beginn der Weimar Republik einen Sammelbecken für alle Rechtsradikalen waren.

00:00:10: Waschie Professor von der Uni organisierten Terroranschläge im Ruhrgebiet und Lavacek hat eine in den Ohren dieser rechtsextremisten fantastische Idee.

00:00:20: Lavaceck weiß nämlich wie man grün Wasserstoff produziert.

00:00:40: unseres Rums-Geschichts-Podcasts, bevor wir es vergessen.

00:00:45: Ich bin Ralph Heimann, Rumsredakteur und heute wollen wir über erneuerbare Energien, über grünen Wasserstoff sprechen und da denkt man natürlich sofort an die Klimakrise aber eher weniger an Rechtsextreme.

00:01:07: Wo fangen wir da an wenn wir das erklären wollen?

00:01:09: Wir fangen an im Münster der Weimarer Republik und zwar der frühen Weimarere Republik.

00:01:13: Münster ist damals das München des Nordens, wie mal jemand gesagt hat.

00:01:19: also München war ja sozusagen der Hotspot des Rechtsextremismus auch mit den Anfängen der NSDAP Und nicht wenige zeitgenössische Beobachter waren der Meinung Münster wäre das Münchner Ponton im Nordwesten des Reiches.

00:01:33: Es gibt hier in Münster eigentlich so eine andere Geschichte, ne?

00:01:36: Also Münster alles nicht so schlimm war.

00:01:38: Das ist nur die halbe Wahrheit.

00:01:40: und wir wissen schon seit Langem, dass Münster in der Beginn der Weimar Republik einen Sammelbecken für alle rechtsradikalen Waren, die sich hier getroffen haben.

00:01:50: Und dafür gab es auch aus deren Sicht gute Gründe.

00:01:53: Man muss ja dazu Vergegenwärtigen wie die Lage nach dem Ersten Weltkrieg war, die Alliierten hatten ja schon Waffenstillstandsbedingungen.

00:02:01: Den Rückzug der deutschen Truppen hinter den Rhein verlangt.

00:02:04: das Rheinland militärisiert.

00:02:07: dazu kam dann später im Fässerjahr Friedsvertrag weitere Auflagen.

00:02:12: es führte dazu dass Münster die einzige Großstadt im Nordwesten des Reiches war in der sich auch das deutsche Militär noch frei bewegen und freischalten und walten konnte.

00:02:22: und hier war also kurz danach die Grenze zum besetzten Gebiet.

00:02:28: und das eskalierte noch im Jahr neunzeirundzwanzig als Franzosen und Belgier dann, dass Ruhrgebieten besetzen.

00:02:36: Das heißt die Grenze des besetzte Gebietes lief quasi südlich von uns entlang der Bahnlinie ungefähr bei Dörsten usw.

00:02:47: Und d.h.

00:02:48: Münster war die Großstadt von der aus man operieren konnte auch in das besetzte Gebiet hinein.

00:02:53: und das führte dazu das fast sämtliche Rechtsradikal Gruppierung des Reiches, sich eben hier trafen zum Kampf gegen die Verhasstenbesitzer und natürlich prägte das die Stadt.

00:03:04: Man muss sich immer vor Augen für Münster war als Garnisonsstadt lange Zeit auch ein Konzentrationspunkt des Militärs.

00:03:15: Werkkreises hier vor Ort auch schon im Kaiserreich gewesen sitzt das Kommandieren in general so dass blieb auch in der Weimarer publik.

00:03:22: So von hier aus zog man ins Ruhrgebiet um beispielsweise die rote Roharmee zu bekämpfen, von hieraus sammelten sich Freikursdienst Baltikum gingen um dort zu kämpfen und von daher war Münster ein Hotspot für Rechte damals.

00:03:37: Wir müssen vielleicht erst mal für alle die es nicht ganz so parat haben.

00:03:42: paar Dinge klären paar Begriffe vielleicht also einmal Vielleicht noch mal Garnisonsstadt.

00:03:46: Was bedeutet das?

00:03:47: Dann hast du Werkkreis gesagt.

00:03:49: und der Hintergrund, warum wurde das Ruhrgebiet besetzt in dieser Zeit?

00:03:54: Ja Münster war zunächst einmal ja eine wichtige Militärstadt als Oberzentrum.

00:03:59: Nicht Münster ist schon im Kaiserreich nicht nur Sitz der Proessischen Provinzialverwaltung für Westfalen sondern auch Sitz des Militärempfehlenshabers hier für diese ganze Nordwestdeutsche Region bis ins Rheinland herunter.

00:04:14: Diese Bedeutung nahm noch zu, in dem Moment als der Waffenstillstand in Kraft trat und weit total des Rheinlandes militarisiert wurden.

00:04:23: Das heißt hier war sozusagen die Militärische Schadzentrale.

00:04:27: Und das Ruhrgebiet wurde eben besetzt im Gegenzug für ausbleibende Reparationen.

00:04:32: Die Franzosen und Beger haben Anfang neunster Dreiundzwanzig das Ruherbiet gewissermaßen als Pfand genommen Die Kohle, die dort gefördert wurde gewissermaßen selbst in Beschlag nehmen.

00:04:46: Weil sie den deutschen Unterstellten der deutschen Regierung das sie sonst nicht bekommen würden.

00:04:50: Wie ist denn Reparationsbestimmung?

00:04:52: ein Sprach?

00:04:53: Das wiederum... Trieb die Reichsregierung damals dazu den passiven Widerstand zu erklären.

00:04:58: Also sagen es wird nicht mehr gearbeitet im Ruhrgebiet, aber die Gehälter fließen trotzdem.

00:05:02: das war einer der Gründe warum dann auch die Inflation so eskaliert in Jahr neunster dreiundzwanzig.

00:05:06: und Das allerdings lockte natürlich viele Menschen auch an Die von hier aus dem Widerstand organisieren wollten.

00:05:13: und es gab auch menschliche Münster die das Taten zum Beispiel Professor von der Uni organisierten Terroranschläge im Ruhrgebiet auf Bahnlinien zusammen mit ihren Studenten, um dort die Franzosen am Abtransport der Deutschen Kohle zu hindern.

00:05:28: Es ist ja eine ganz komplizierte Situation über die wir hier reden und wir müssen vielleicht erst mal – also jetzt haben wir schon über das Setting gesprochen – das Personal klären.

00:05:36: Also welche Gruppen gibt es da, die hier eine Rolle spielen?

00:05:40: Zu einem gibt es in Münster Menschen die dem Kaiserreich hinterher trauern, die da eine archivierte Position erreicht hatten.

00:05:48: Die aber mit dem Übergang zur Republik schon nichts zu tun haben wollten, die auch schon ab den Neunstersebzehn als sich die Demokratisierung des Reiches abzeichnet in radikaler Opposition dazu sich aufstellen.

00:06:00: Das sind lebensältere Menschen, Menschen um die Fünfzig sind, die im Kaiserreich was erreicht haben und die der alten Ordnung hinterhertrauern.

00:06:09: Und dann gibt es jüngere Menschen, Leute die an der Front waren.

00:06:13: Also die Frontsoldaten, viele von denen schaffen nicht den Übergang ins Zivilleben.

00:06:17: Das liegt zum einen an Arbeitslosigkeit, an fehlenden Perspektiven aber zum anderen auch daran dass man sich so radikalisiert hat in der Zeit.

00:06:25: das sind Leute die versuchen einfach eh Militärzeit zu verlängern.

00:06:28: Die kämpfen dann in Freikorps, die ziehen dann beispielsweise als Soldat Tesca ins Baltikum.

00:06:34: andere sind dann dabei später gegen Arbeiter zu kämpfen Weil sie den Kommunismus auch hier in Deutschland aufhalten wollen.

00:06:44: Und da ist man wahllos in der Gewalt im Ruhrgebiet nach dem Kaputsch, man beteiligt sich eben auch an solchen Putschversuchen Man beteilicht sich an Untergrundorganisationen um die verhasste republikanische Regierung zu beseitigen.

00:06:57: Das sind sozusagen die Jüngeren.

00:06:59: und dann gibt es dazwischen eben Leute wie viele Studierende an der Uni Münster Die sich punktuell an so etwas beteiligen solchen rechtsradikalen Szenen auch sind, die sich in unterschiedlichen sehr fluiden Grüppchen und Klüppchern organisieren.

00:07:16: Die aber alle eins eint – nämlich die radikale Ablehnung von Demokratie und Republik.

00:07:22: Und das sind jetzt alles Gruppen, die in irgendeiner Weise zusammenfinden?

00:07:27: Ja, auf unterschiedlichen Ebenen.

00:07:29: Also beispielsweise in den letzten Jahren beim Cup Putsch treffen sich schon Einheiten der sogenannten späteren akademischen Legionen also junge Studierende die die Republik beseitigen wollen Im Auftrag der republikanischen Regierung dann gegen Arbeiter im Ruhrgebiet vorgehen.

00:07:51: Es gibt aber auch die älteren und es gibt eben Menschen, die auch versuchen das ganze zu strukturieren und zu organisieren.

00:07:58: Das sind überwiegend Ältere Nicht minder radikal sind, die aber eine ganz archivierte Position haben.

00:08:06: Das sind beispielsweise Professoren an der Uni, die schon Kaiserreich ordinariat haben, die sich jetzt auch als Einpeicher betätigen.

00:08:16: und auf der anderen Seite sind es Menschen, die beispielsweise der alten verlorenen Ordnung hinterher trauern und die Republik auch delegitimieren.

00:08:26: Beispielsweise wichtige Amtsträger aus der Kaiserzeit unternehmen eben auch viele Adlige, die sich radikalisiert haben also Menschen, die schon im Ausgehenden Kaiserreich auch der Ordnung kritisch gegenüberstehen und viel radikalere Lösungen fordern beispielsweise der alldeutsche Verband und andere, die da so katalysatorischen Wirken auf die Ausbildung einer rechten Szene.

00:08:51: Also wir befinden uns jetzt ja Krisenjahr, die Franzosen haben das Ruhrgebiet besetzt und die allgemeine Stimmung.

00:08:59: Das wird deutlich an deinen Beschreibungen.

00:09:01: Die ist so ein kleines bisschen.

00:09:02: also es ist auf jeden Fall keine Harmonie sondern es gibt Bestrebungen das alte System wieder zurück zu bekommen beziehungsweise das neue irgendwie ins Wanken zu kriegen.

00:09:11: Und in dieser Situation wird jetzt die Energie knapp.

00:09:14: Also das ist ja eine Situation die wir jetzt gerade auch aus der gegenwärtigen Zeit kennen, dass ein Krieg die Energieversorgung in Gefahr bringt.

00:09:22: und was passiert dann?

00:09:24: Ja das Problem ist natürlich die Franzosen und Belgier versuchen die Kohle dem Ruhrgebiet produziert wird abzutransportieren als Reparation für den ersten Weltkrieg.

00:09:34: Und gleichzeitig wird ja nicht mehr gearbeitet.

00:09:36: Das heißt der die Kohlererzeugung geht radikal zurück im Ruhrgebiet.

00:09:41: Die Deutschen müssen jetzt auch fürchten, dass sie möglicherweise selbst ihre Energieversorgung nicht mehr sicherstellen.

00:09:47: Cool ist damals einer der wichtigsten Energieträger sowohl für die Wirtschaft als auch fürs private Halzen.

00:09:52: und jetzt schlägt die Stunde auch von Rechtsextremisten, die an dieser Stelle natürlich eine Idee vertreten, die wir heute auch kennen nämlich die Idee der Autarkie Und die Grundlage dafür ist aus deren Sicht Deutschland muss unabhängig werden Und in diesem Fall plötzlich auch unabhängig werden von der Ruhkohle, denn die seht jetzt gerade in den Händen des Anflugs seinen Feindes.

00:10:15: Und an dieser Stelle taucht jetzt plötzlich ein Mann auf, der die rechte Szene der Älterin hier im Munster begeistert.

00:10:23: Das ist Franz Lavaček und er kommt eigentlich aus Bayern und lebt damals in Hessen.

00:10:29: Der hat eine Expertise als jemand, der im Krieg mit Pumpen gearbeitet hat.

00:10:35: Also er war technischer Ingenieur und hat Wasserpumpen produziert auch für die Front und hat da auch einige Erfindungen und galt als ein talentierter Ingenieur.

00:10:46: Und dieser Mann taucht jetzt plötzlich in der rechten Szene auf den Münster und ganz interessant ist wie da die Verbindung zustande kommt denn Lavacek kommt eigentlich aus Bayern.

00:10:56: Und in Bayern gibt es eine große rechtsradikale Untergrundorganisation, die Org-Esch.

00:11:02: Die Organisation Escherich!

00:11:04: Das sind im Prinzip lauter Rechtsextremisten, die unter dem Druck der Alliierten, die die ursprüngliche Organisation als Freikurs nicht mehr dulden wollten.

00:11:15: Jetzt in den Untergrund gegangen sind sich TAN, den Sportverein und in paramilitärischen Gruppierungen und die geheime Waffenlage haben und sich auf den großen Tag vorbereiten.

00:11:28: Und im Umfeld dieser Organisation befindet sich auch Georg Eikemeyer.

00:11:33: Der wiederum kennt aus genau diesen Zusammenhängen ein Professor hier in Münster, Paul Krückmann.

00:11:39: Er ist Juraprofessor und über die beiden kommt einen Kontakt zustande.

00:11:43: und Eike Maier wiederum stellt den Kontakt zu Lavacek her.

00:11:46: Und Lavacec hat eine in den Ohren dieser Rechtsextremisten fantastische Idee.

00:11:52: Lavaceck weiß nämlich wie man grünen Wasserstoff produziert.

00:12:01: seine Erfindung im besten Licht dastehen zu lassen oder seine potenzielle Erfindungen.

00:12:05: Denn Lava Check möchte gerne die Elektrolyse von Wasserstoff so durchführen, dass er sie mit ganz kostengünstigem Gleichstrom durchführt kann der damals sehr viel günstiger ist als Wechselstrom.

00:12:19: insofern scheint also hier eine Energieform möglich plötzlich die nichts mehr mit Kohle zu tun hat und die Deutschland trotzdem versorgen kann, denn Wasser ist ja genug da.

00:12:30: Und die Idee von Lava Check ist... dass man das eben mit einem fantastischen Wirkungsgrad von fast hundert Prozent hinkriegen kann, also noch einen viel besseren Wirkungskrat als ihn die Verbrennung von Kohle beispielsweise hat.

00:12:42: Das klingt für uns heute auch ganz fantastisch.

00:12:44: ja wir würden heute sagen das ist klimaneutral und deswegen super.

00:12:49: in der damaligen Zeit klang es deswegen gut weil es eben ohne Kohle auskam die er jetzt in den Händen der Franzosen war.

00:12:55: und jetzt sind wir an der Stelle wo einige von den Rechten sagen das is nicht nur patriotisch das ist ein gutes Geschäft Und an der Stelle sammeln sich jetzt sozusagen von den älteren Rechten entmünster, fast alle um den Professor.

00:13:10: Um eben hier auch zu schauen ob das nicht auch wirtschaftlich interessant sein kann und im Prinzip geht es hier um so eine Art Startupfinanzierung würde man heute sagen

00:13:19: also grüner Wasserstoff Das klingt ja ganz modern, das ist Wasserstoff für den man eben keine Kohle braucht.

00:13:24: Also dem man auch so herstellen kann mit Hilfe von regenerativen Energien, das hast du gerade gesagt.

00:13:29: und ja das Problem ist aber, dass geht hier alles nicht ganz kostenländlich, man braucht also Geld?

00:13:34: Ja man braucht eine Finanzierung für das Startup.

00:13:36: Lava Check sagt aber, das is kein Problem.

00:13:38: in zwei Jahren bin ich soweit.

00:13:40: Ich brauche also nur eine Zwischenfinanzierung für zwei Jahre und dann lockt das große Geschäft ab.

00:13:44: Dann trägt sich das Ganze selbst.

00:13:46: Er verspricht also sehr kurzen Realisierungszeitraum.

00:13:49: Interessanterweise sieht man auch in den Projektskizzen, die er angefertigt hat.

00:13:53: Dass ihm schon klar ist dass man den Wasserstoff ja hinterher auch irgendwie transportieren muss zum Endverbraucher.

00:13:59: das bleibt interessanterweise aus der Kostenkalkulation von Vorderren ausgeklappert.

00:14:04: also es geht im Kern im Moment erstmal nur um das Grundgeschäft und man erkennt daran aber auch schon dass die Leute die hinterher zur Finanzierung einsteigen sozusagen paar Fragen auch von vorderen außer Acht lassen wie zb die ja auch heute noch schwierige Transportfragen, also wie kommt der Wasserstoff ans Ziel?

00:14:21: und andere Dinge mehr.

00:14:23: Auf jeden Fall klingt das erstmal gut!

00:14:25: Und es gelingt Professor Kuckmann tatsächlich ältere rechte Szene in Münster für dieses Projekt zu gewinnen.

00:14:33: Und ganz vorne dabei der Unternehmer wird ein Kiesekampf, der in Münstern eine Mühle betreibt die er von seinem Vater geabt hat und kann das ganz schön sehen.

00:14:42: also der Vater war noch sehr archivierter Kunst mit zehn im Kaiserreich und sein Sohn ist sehr stark radikalisiert und steht voll mit beiden Rechten Szene gehört zum Gründungspersonal der Deutschen Nationalen Volkspartei also der Alikaren Republikfeinde hier in Münstar Und der übernimmt quasi den Löwenanteil, weil er natürlich auch selber ja in der Branche tätig ist und deswegen auch eine gewisse Expertise mitbringt.

00:15:08: Dann gibt es aber noch andere die da investieren.

00:15:11: das sind interessanterweise Adelige zum Beispiel und man erkennt dass da so ein ganzes rechtes anlieges Netzwerk dahinter steht.

00:15:19: Da ist der Baron Gisbert von Romberg aus Dürmen, da ist der droste Hülzhof.

00:15:25: dann kommen noch andere dazu unter anderem vermittelt über den Professor und auch der entrohnte Graf des früheren Thüringischen Füßentums Schwarzburg-Rudolfstadt und man erkennt das hier sozusagen der alte Adel mit der Republik in Feinschaft steht dass der sich hier sammelt.

00:15:43: auch der ehemalige Oberpräsident zum Beispiel Prinz von Ratibor Korvai ist dabei, dann ist der ehemalige Chef des Flottenvereins im Kaisereich dabei.

00:15:54: Also es geht bis in den Hochadelien ein und all diejenigen... Einsicht und sagen wichtig ist auch, dass nur das nationale Lager hier als finanzie auftritt.

00:16:05: Also man möchte um jeden preis von Anfang an verhindern, dass etwa die republikanische regierung zugriff auf ein solches Projekt bekommt.

00:16:12: Sondern es soll von vornherein nur ein projekt der politischen rechten sein.

00:16:17: Und das ist ganz interessant.

00:16:18: also man schafft es dann relativ schnelles ist inzwischen ja Bereits Sommer neunster treinundzwanzig.

00:16:23: man schafft es dann bei einem treffen in münchen tatsächlich sich zu einigen und ein entsprechendes Firmenkonstrukt auch auf den Weg zu bringen.

00:16:33: Das läuft im Prinzip darauf raus, dass man sagt, man macht erstmal eine Anschubfinanzierung um die Lava-Check mit seinem Personal erst mal auszustatten und bei Bedarf schießt man immer Kapital hinterher.

00:16:45: das ist natürlich auch der Bedingung des Jahres neunzeigundzwanzig geschuldet.

00:16:48: es ist ja Galoppierende Inflation in Deutschland und die zwei Hundert Millionen, die man erst mal zusammen hat im Sommer neunzehnundzwanzig.

00:16:57: Die sind ja ein paar Wochen später schon überhaupt nichts mehr wert.

00:16:59: Und insofern einigt man sich auch so ein flexibles Modell und im Kern hat Lava Check jetzt erstmal eine Finanzierung Und seine Finanziers warten jetzt ganz gespannt darauf, dass endlich der versprachene grüne Wasserstoff auch wirklich geliefert wird.

00:17:14: Ich will nur noch mal deutlich meinen also hier sieht man auch sehr gut die Verbindung von Münster und München.

00:17:18: ja.

00:17:19: München im Mai und Juni neunsterdreinundzwanzig das ist ein halbes Jahr vom Hitlerputsch!

00:17:24: Das muss man sich auch vergegenwärtigen.

00:17:27: und die Partner da Eikemeier die da unterwegs sind in München sie sind wiederum natürlich auch mit Röhm und anderen aus dem direkten Umfeld Hitlers irgendwie verbunden.

00:17:36: Also das heißt, hier vernetzen sich quasi die rechten Szenen aus Münster und München.

00:17:41: Und dieses Start-up sitzt aber in Münster oder ist es erstmal in München?

00:17:46: Ja, Lava Check sitzt tatsächlich in Bayern, aber die Finanziers sitzen überwiegend hier im Münsterland Und wie gesagt, es sind auch noch ein paar andere dabei.

00:17:54: Aber im Kern sitzen die Finanziers hier in Munzdout und die sind jetzt wirklich aufgeregt und hoffen dass sie jetzt sozusagen den Hebel gefunden haben, wie man Deutschland perspektivisch eben Energieautark machen kann und sie hoffen natürlich auch persönlich auf das ganz große Geschäft.

00:18:10: Wie realistisch ist das denn?

00:18:11: Dass das gelingt?

00:18:13: Ja, es zeigt sich nicht ganz so realistisch wie Lava Check erzählt hat.

00:18:17: Also das erste Problem ist dass Lava check ein Erfinder ist der zwar eine Menge Ideen hat Der aber ein echtes umsetzungsproblem hat.

00:18:27: Das zeigt sich auch an einigen seiner vorherigen projekte große pumpen und Große Wasserkraftwerke beispielsweise die auch geplant hat.

00:18:35: da gibt es in der regel Menschen Jeweils das bessere planen und Lava check bekämpft die dann hinterher immer auf dem wege dass er ihre patente angreift.

00:18:45: also ist Wahrscheinlich technisch meist nur der zweitbeste der auf dem damaligen markt.

00:18:53: In jedem Fall zeigt sich aber, dass Lava Check erstens den Mund zufolge genommen hat was die Elektrolyse angeht.

00:18:59: Die Grundlage für das ganze Projekt ist, die bekommt er eben technisch kaum realisiert.

00:19:06: Das andere ist aber natürlich auch die ganzen anderen Fragen.

00:19:09: völlig ungeklärt bleiben nämlich die Frage wie man Wasserstoff transportiert und vor allem auch wie man ihn speichert.

00:19:15: Das sind ja heute noch die Kernprobleme bei der Nutzung der Technologien Und die sind natürlich unter den Bedingungen der Technik, die ja in der Jahrhundertzwanziger Jahre noch schwerer zu lösen als mit den Bedenkungen der Zwanzig-Zwanzigerjahre.

00:19:30: Und insofern zeigt sich relativ rasch, dass Labarcek nicht liefern kann was er versprochen hat.

00:19:37: Also erstens nicht im versprochenen Zeitraum das heißt es werden nachforderungen völlig.

00:19:42: die Finanziers müssen mit immer frischem Geld rein und da zeigt sich jetzt auch ein ganz interessanter Effekt.

00:19:47: Die Hyperinflation hat hier inzwischen richtig Fahrt aufgenommen hat die Folge, dass vor allem diejenigen Finanziers also zum Beispiel der Professor, der sich an diesem Projekt beteiligt hat, am Ende kein Geld mehr hat das nachschießen kann.

00:20:02: Das heißt er muss jetzt sozusagen auf die adigen Großgrundbesitzer hier zurückgreifen, die natürlich tiefere Taschen haben als die Angestellten im öffentlichen Dienst.

00:20:11: Das heisst hier sortiert sich – das fällt schon mal neu.

00:20:14: in der zweiten Finanzierungsrunde ist es vor allem der alte Adel, der sich radikalisiert hat.

00:20:20: Der weiter an den Projekt festhält.

00:20:21: aber auch hier wird rasch klar auch da sind die Ressourcen endlich unter dem Bedingung der abgeschlossenen Hyperinflationen.

00:20:29: das hieß ja im Prinzip dass auch viele Kapitare Serven einfach von einem Tag auf den anderen wertlos geworden waren.

00:20:37: und auch daran schaltet das Projekt am Ende ganz ein Stück weit und man muss ganz dringend neue Partner suchen.

00:20:46: Also man braucht neues Venture Capital

00:20:48: sozusagen.

00:20:50: Kann man im Rückblick denn sagen woran das jetzt vor allem gescheitert ist?

00:20:54: Ja es fehlte den Finanziers an jeglicher technischer Expertise, dass wird man so festhalten müssen und die Geldgeber haben das nationale Ziel oder das nationalistische Ziel übergeordnet der Detailarbeit in dem konkreten Investment.

00:21:12: also Da fehlt es völlig an Kontrollstrukturen, es fehlt also die Arbeitsstruktur der Gesellschaft.

00:21:19: Die gibt's eigentlich gar nicht und man vertraut einfach darauf das Lava-Check dass schon Richtige schon erfinden wird aber dass wirklich jemand auch seine Arbeit überprüft in den konkreten Arbeitsschritten Das gibt's gar nicht.

00:21:32: oder es gibt vor allem noch niemand der das technische Gutachten von Lava Check irgendwie mal fachlich überprüfen könnte.

00:21:39: da haben die alle keine Expertise.

00:21:41: kann man um so eine Größenordnung zu vermitteln, sagen ungefähr wie viel Geld da reingeflossen ist oder?

00:21:47: Es ist ganz schwer zu sagen weil das Geld sich im Jahr neunzeigundzwanzig so schnell entwertet dass man es kaum sagen kann.

00:21:54: Es ist an in den Quellen zeitweise die Rede von zwanzigtausend Dollar.

00:21:58: Das ist in der Tat unter den Bedingungen der damaligen Kaufkraft ein ganz enormer Betrag Und den muss man auch erstmal flüssig machen können.

00:22:06: Insofern sieht man auch, dass es hier sozusagen das alte radikalisierte Bürgertum aus Münster in Kombination mit dem Münsterländischen Radikalisierten Adels die das hier machen und die den Kern dieser Szene der älteren Rechten bilden also nicht dieser protistischen Jung sondern der Älterin Arrivierten und das sind die Leute die hier investieren können und die auch die nötigen tiefen Taschen dafür haben.

00:22:34: Also, es ist im Grunde einfach ein Blöff und oft dauert das eine Weile bis so'n Blöf aufliegt beziehungsweise man versucht dann irgendwie doch noch zu retten.

00:22:42: in dem Fall bedeutet dass man braucht neues Geld.

00:22:45: Ja, man braucht jemand mit Kontakten.

00:22:47: Man braucht Geld und es muss jemand sein der aus deren Sicht auch national zuverlässig ist.

00:22:52: Und da gibt's natürlich einen der den deutschen Nationalen sofort einfällt und das ist ihr Parteifreund Alfred Hugenberg.

00:23:00: Vor dem Ersten Weltkrieg und im Ersten-Welt-Krieg in der Hohe Industrie tätig war schon ganz früh radikalisiert, im alldeutschen Verband.

00:23:07: Und spielt jetzt eine maßgebliche Rolle in der deutschen Nationalen Volkspartei ist zugleich der große Medienzahne Weimarer Republik, der die gesamte Rechtspresse kontrolliert und ein erbitterter Feind der Republik.

00:23:21: Hugenberg soll das Projekt retten!

00:23:24: Hugenberge tut das auch.

00:23:26: Das heißt erst mal gibt es Bürgschaften von Hugen Berg?

00:23:30: Und anschließend versucht Hugenberg gewissermaßen mit Eigenkapital auszuhelfen, aber er tut das nicht selbstlos.

00:23:38: Interessanterweise merken die Münsterrischen und Münsterländischen Finanziers, dass er sehr spät bzw.

00:23:44: gar nicht das ihr deutsch-nationaler Parteifreund Alfred Hugenberg sie allmählich aus dem Unternehmen herausdrängt.

00:23:50: denn Hugenwerk schafft es in zwei relativ komplexen Transaktionen am Ende fast die völlige Kontrolle über das Unternehmen zu gewinnen.

00:24:00: Hugenberg legt großen Wert darauf, Lavaček jetzt viel stärker zu fokussieren auf landwirtschaftliche Nutzanwendungen.

00:24:08: Dahinter steht das Hugenwerk vor hat das Geld ostelbischer Großgrundbesitzer die genauso republikfeindlich sind selbstverständlich hier mittelbar nutzbar zu machen für das Projekt.

00:24:21: Deswegen versucht der Lava-Check stärker auf so Nutzanwendungen zu bringen, etwas stärker weg vom grünen Wasserstoff.

00:24:28: Am Ende zerstreitet man sich komplett.

00:24:31: Lava Check geht am Ende nach Ägypten um im Auftrag des ägyptischen Königs am Nil Wasserkraftwerke zu bauen was dann auch nicht funktioniert.

00:24:40: In jedem Fall steht am Ende die Firma von Hugenberg ohne den Erfinder da, auf dem man gesetzt hatte und am Ende bleibt nur die Liquidation.

00:24:49: Und... ...und die Münsterchenfinanciers müssen sich der traurigen Tatsache stellen dass ihr Geld komplett verloren ist und das wirft man vor allem Lava-Check vor.

00:25:04: Interessanterweise, so kann man den Aufzeichnungen der Herren entnehmen, fällt ihn bis zum Schluss nicht auf, dass ihr eigener Parteifreund Hugenberg sie schon zwei Jahre vorher faktisch aus der Firma herausgedrängt hatte.

00:25:17: Wie hat

00:25:17: er das gemacht?

00:25:18: In dem er mit zwei relativ komplexen Bürgschaftstransaktionen die anschließende Eigenkapital umgewandelt wurden einen Firmenkonstrukt geschaffen hat in dem die Anteile völlig verwässert waren, die die monstarländischen Finanziers da für teuer Geld erworben hatten.

00:25:33: Am Ende steht aber auch Hugenberg mit einer leeren Firmenhülle da.

00:25:38: Interessanterweise schafft er es, nicht mal diese Firmenhülle zu liquidieren und als die Alliierten im Jahr nineteen viertundvierzig Hugenbergsvermögen sequestrieren.

00:25:47: also unter Verwaltungsstellen ist immer noch die Firma Lava Check dabei.

00:25:51: Obwohl sie schon seit fast zwanzig Jahren überhaupt keine praktische Funktion mehr hat.

00:25:57: Also Hugen Berg hat die Firma zu keinem Zeitpunkt aufgelöst sondern immer noch in seinem weit verzweiften Portfolio behalten.

00:26:03: war das tatsächlich Eine richtige Firma oder war das eher etwas, was auf dem Papier existierte?

00:26:08: Das war eine richtige Firma die natürlich auch Bilanzen erstellen sollte und da zeigte sich ja dann mal auf der Zeit dass Lava Check im Prinzip das Geld vor allem für die Selbstfinanzierung genutzt hatte.

00:26:17: Also fürs eigene Leben aber dass das Geld unrettbar verloren war es einfach verbrocht war.

00:26:24: Es war im Prinzip ein geschaltetes Startup

00:26:28: Zwischendurch etwas Werbung für alle die Rums vielleicht noch nicht kennen.

00:26:33: Wir sind ein digitales Lokalmedium für Münster seit inzwischen sechs Jahren.

00:26:38: Wir wollen etwas genauer hinschauen, als das im Lokaljournalismus normalerweise möglich ist.

00:26:44: Wir recherchieren gründlich!

00:26:46: Wir erklären Zusammenhänge und wir schauen, dass das auch alles etwas unterhaltsam ist.

00:26:51: Das Ganze machen wir in einem Brief.

00:26:54: so nennen wir das Format... ...das ist ein Newsletter den wir zweimal die Woche per E-Mail an unsere Abonnentinnen schicken.

00:27:01: Darin geht es um verschiedene Themen, die in Münster eine Rolle spielen.

00:27:05: Das kann Politik sein, Wirtschaft, Gesellschaft oder Kultur.

00:27:10: Dazu haben wir neun Kolumnen über diese Themen.

00:27:14: Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten Oder vielleicht auch einmal Probe lesen möchten Dann gehen sie auf unsere Website rums.ms.

00:27:23: Da können Sie kostenlos und unverbindlich ein Probe-Abo abschließen Und sich selbst ein Bild von unserer Arbeit machen.

00:27:31: weiter im podcast und hier vermischen sich ja zwei sachen.

00:27:34: also im grunde ist das diese ideologie also die so ein bisschen der antrieb dieser ganze sache in ist.

00:27:39: aber dann auch wie immer dieses streben nach nach einfluss nach macht nach geld

00:27:44: für die.

00:27:45: für die älteren herren aus der rechten zähne war das natürlich der versuch den verlorenen Einfluss auf Politik, Militärverwaltung zu kompensieren durch wirtschaftlichen Erfolg.

00:27:57: Indem man jetzt glaubte dass man sozusagen die einzigartige Erfindung hatte der Schlüssel für Deutschlands Energieautarkie gewissermaßen in den Händen hatte Lava Check brauchte ja angeblich nur zwei Jahre hoffte man natürlich das man ja im Prinzip ein Schlüssel auch zur Rückgewinnung politischer Macht in der Hand hatte.

00:28:16: und Sehr bemerkenswerte Strategie, die häufig auch übersehen wird.

00:28:22: nur vor Augen haben, dass es diese Putsch-Strategie gab mit dem Cup-Putsch, dem Hitler-Putzch beispielsweise und das es später den Versuch gab sozusagen die Republik über die Presidiarkabinette auf der einen Seite.

00:28:33: Und dann über die Legalitätsstrategie der NSDAP zu überwältigen.

00:28:37: aber der Versuch, dass man sozusagen über neuartige Schlüsseltechnologien das jetzt versuchen wollte Das war quasi ein Ansatz, den man auch nicht übersehen sollte.

00:28:47: Es war ein gescheiterter Versuch Aber es hat einen sehr bemerkenswerten Interesse.

00:28:51: Versuch gewissermaßen die alte Macht in neue umzuwandeln.

00:28:56: Du hast ja eben schon vorgegriffen, also am Ende steht da halt diese leere Höhle dieser Firma.

00:29:02: aber wir sind ja eigentlich noch nicht am Ende sondern es gibt ja noch einen zweiten Anlauf?

00:29:05: Ja Lava Check gibt nicht auf er kommt irgendwann aus der Gipfel zurück und im Jahr neunzehn und dreißig hatte er mit Hugenberg ja inzwischen völlig gebrochen.

00:29:14: der hat seiner Firma auch ein ganzes Stück bei den Stecker gezogen und wollte ihn auf Dinge abdrängen, die Lava-Check nicht wollte.

00:29:22: Und deswegen sucht Lava Check sich jetzt neue Freunde.

00:29:26: Die findet er auch, und zwar im Bayerischen Umfeld.

00:29:28: Er geht zu Leuten wie Gottfried Feder, die in der Anfangsphase der NSDAP eine ganz wichtige Rolle gespielt haben.

00:29:35: Und aus den einunddreißig wird Lava check dann Mitglied der NSDRP und nach der Machtübergabe an die Nationalstallisten im Jahr neunster dreihunddreißig Antischaum briert Lava Check bei allen möglichen NS-Größen und er schafft es dann immer wieder, sich da ins Gespräch zu bringen.

00:29:52: Am Schluss sogar bei der SS oder das gibt immer wieder Versuche beispielsweise bei den Reichswerken Hermann Göring später weit verzweigten Firmenetz vorm Heinrich Himmlers SS versucht er immer wieder sein Projekt des Wasserstoffs neu an den Start zu bringen und jedes mal wieder klappt es nicht.

00:30:11: Also Hugenberg wird nicht der letzte Sein, der mit Lava-Checks versprechen viel Geld verliert.

00:30:16: die nationalsozialistische Regierung in ihren unterschiedlichen Organisationsformen tut das dann bis nineteen fünfundvierzig auch und Lava Checks bringt den grünen Wasserstoff bis zum Schluss nicht zur Serienreife.

00:30:29: Man hat das ja oft bei so Figuren, die mit viel Geld hantieren.

00:30:33: Die Investoren sind... Das ist oft für die gar keine große Katastrophe es pleite zu gehen denn dann probiert man's einfach neu und man hat irgendwann auch wieder Geld.

00:30:44: also es gibt da ja Donald Trump ist so jemand der mehrfach pleite gegangen ist.

00:30:47: in Deutschland Lars Windhorst weiß man was dieser Lava-Check für ein Mensch war?

00:30:52: Also Lava Check war ja nicht der Investor, aber quasi der, der das Geld angefragt hat.

00:30:57: Und Lava check war auf jeden Fall ein talentierter Verkäufer.

00:31:01: Es gibt auch Leute, die sagen er war möglicherweise ein begabter Ingenieur.

00:31:05: Jedenfalls mindestens einer mit guten Ideen aber ich habe das ja gerade schon versucht zu sagen hatte meist nur die zweitbeste Idee.

00:31:11: also es gab zeitgenössisch fast immer Menschen die ein konkretes Projekt zum Beispiel eine Wasserpumpe besser organisiert haben deswegen die lukrativeren Patente auch entwickelt haben.

00:31:20: und Lavashek hat sich dann ganz oft auf den juristischen Weg verlegt diese patente zu bekämpfen.

00:31:25: und im Prinzip war er vor allem einer der ganz groß war im Selbstmarketing.

00:31:30: Also er muss überzeugend gewesen sein, denn sonst wäre es ihm ja nach all den Misserfolgen und Rückschlägen nicht immer wieder gelungen Menschen davon zu überzeugen, ihm zu vertrauen.

00:31:38: Er war nicht nur überzeugend, sondern er hatte für viele Leute eben auch die richtige politische Einstellung.

00:31:43: Das sollte man nicht unterschätzen.

00:31:45: also das war auch was sie einte.

00:31:46: Also es waren nicht nur die Begeisterung für die Idee, sondern es war auch die Tatsache dass es einer von ihnen war.

00:31:52: Also jemand der die radikale Ablehnung der Republik teilte und der Versprach eben für die politische Rechte eine geniale Erfindung zu machen, die eben auch neuen wirtschaftlichen Einflussversprach.

00:32:06: die Attraktivität von Lava Check ausgemacht hat.

00:32:11: Also dieser zweite Anlauf ist auch gescheitert, Lava check hat es wieder nicht geschafft und diese Firma existiert jetzt weiterhin noch das Geld nicht mehr in ganz so großem Umfang.

00:32:22: was wird aus den Geldgebern aus dem Münsterland?

00:32:25: Ja das hatte ich schon hart getroffen.

00:32:26: also war ja insgesamt eine Zeit in der Kapital knapp war das muss man sagen durch Gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Zeit.

00:32:34: Es gab eine große Kapitalknappheit in der Weimarer Publik und das hat auch die adeligen Finanziers getroffen, also beispielsweise den Baron von Romberg oder andere.

00:32:46: Das war schon ein richtiges Fehlinvestment was für viele Ager gesorgt habe.

00:32:50: Die bürgerlichen Teilnehmer hat es sogar noch härter getroffen.

00:32:53: Also sie waren ja mit einem größeren Teil ihres Privatvermögens eingegangen und letztlich kann man daran eben auch den Niedergang älteren Szene des Rechtsextremismus.

00:33:05: Deutsch-Nationalen ganz gut nachvollziehen.

00:33:07: Also da rücken dann tatsächlich ja die Jüngeren nach, also eine ganz andere Generation.

00:33:12: Die sind dann nationalsozialistisch und diese ältere Rechte hilft ihnen ja an die Macht.

00:33:17: aber hier in Münster muss man eben sagen sind sie dann auch aus dem wirtschaftlichen Misserfolge heraus nicht nur an dieser Stelle sondern auch mit anderen Projekten.

00:33:28: Ein Zeitungsprojekt in Münstern für die radikale Rechte scheitert beispielsweise genauso.

00:33:34: sehen, dass der Bedeutungsverlust im Verlauf der zwanziger Jahre doch greifbar wird.

00:33:40: Und da steht dieses Projekt mit dem grünen Wasserstoff als ein sehr gutes Beispiel für.

00:33:44: also man verzockt das Geld und verliert da Schritt für Schritt an Reputationen und Attraktivität und am Ende eben auch an wirtschaftlicher Macht.

00:33:55: Wenn man von heute auf dieses Thema schaut dann ist es ja ganz interessant.

00:33:59: ich hatte ja am Anfang gesagt dieses Thema grüner Wasserstoff, regenerative Energien.

00:34:04: Das ist ja verknüpft mit dem Klimathema so ein bisschen.

00:34:06: aber wir merken immer mehr es gibt auch andere gute Gründe sich für diese Technologie zu entscheiden.

00:34:12: also eine gewisse Parallele.

00:34:15: was sagt die Geschichte über das Verhältnis von Technik und Ideologie?

00:34:22: Ja, man sieht das sich die ideologischen Fahrzeichen gewissermaßen verkehren kann.

00:34:27: Wenn man sieht dass heute Rechtsextremisten ja erneuerbar kategorisch ablehnen Man sieht dass das Framing des Themas vor hundert Jahren ein ganz anderes war Dass man nämlich damals das Thema selber betrieben hat mit dem Blick auf Energie Autarkie in nationalistischer Konkurrenz zur europäischen Nachbarn und da machte es dann Sinn und Logik.

00:34:48: Und Heute sieht man das Projekt ja bei den Rechtsextremisten eher als ein Thema einer globalisierten Elite, die sich abgehoben hat und lehnt ja die Begründungszusammenhänge.

00:35:02: mit Klimawandel usw.

00:35:04: kategorisch ab.

00:35:06: und man sieht aber es kommt eben auf das Framing an, die Technologie ist gewissermaßen die gleiche und vor hundert Jahren schien das eben mit einem komplett anderen nationalistischen Framing für Rechtsextremisten durchaus ein attraktives Thema zu sein.

00:35:20: Man sieht eben in der Sache ist man flexibel solange es um die Destabilisierung der Republik geht ja und der demokratischen Kräfte.

00:35:29: also.

00:35:30: heute versucht man die demokratischen Kräfte, die den Energiewandel betreiben und den Klimaschutz hochhalten zu delegitimieren über die radikale Kritik daran.

00:35:43: Und damals ging es darum mit einer Technologie gewissermaßen der Regierung auch durch entsprechende Patente, die man der Regierung natürlich vorenthalten wollte natürlich auch das Wasser abzugraben und auch eine politische Form macht noch wirtschaftlich wieder zu konstituieren.

00:35:59: also diese technologische Seite Der grüne Wasserstoff, das ist das eine.

00:36:04: Das andere?

00:36:05: Dass aber der Rechtsextremismus in Münster... Wenn man jetzt zurück schaut vielleicht auch diese Geschichte mit heute vergleicht was kann man daraus lernen?

00:36:15: Ja man kann sehen dass es in uns das Geschichte einer Epoche gibt die gerne verdrängt wird Nämlich die Geschichte Münsters als Hochburg des Nordwestdeutschen Rechtsextremismus zu Beginn.

00:36:28: Er war mal Publikumünster, als Operationsbasis für die radikalisierte Rechte des ganzen Reiches.

00:36:34: Das war eine Situation, die sich erst nach dem Ende der akuten Krise neunzeigundzwanzig ein Stück weit entspannt hat, als viele, die hier in die Stadt gekommen sind auch wieder abgezogen sind.

00:36:45: aber nichtsdestotrotz gab es natürlich auch so einen homegrown Rechtse extremismus in der Stadt und Der Kern dessen war die Universität und waren die paramilitärischen Kraftteile, ehemalige Militären.

00:36:59: Man sollte nicht unterschätzen, welche radikalisierende Rolle die Studierenden der Universität hatten in der damaligen Situation.

00:37:07: Also das ist sozusagen der Link zwischen der ersten Runde der Radikalisierung Anfang der Zwanzigerjahre und der zweiten Runde Ende der zwanziger Jahre.

00:37:15: Und insofern sieht man an dieser Stelle dass es in Münster Stadtgeschichte einige Kapitel gibt, die sich nicht mit schwarz- und katholisch erzählen lassen Und dass die Sicht Münsters als Hochbuch des politischen Katholizismus eine ist, die vor allem in den Siebziger und Achtziger Jahren von interessierter Seite gepflegt worden ist.

00:37:40: Wo man aber sagen muss das diese Erzählung nicht durchträgt weil sie wesentliche Tale der Stadtgesellschaft nicht erfasst weil sie vor allem wichtige Phänomene eben wie diese Rolle Münsters als Hochbuch des Rechtsextremismus eben auch komplett ausblendet.

00:37:58: Das lässt einigen Raum offen, um ganz viele weitere Geschichten zu erzählen.

00:38:03: Wir machen jetzt noch sechs Folgen allerdings erst mal eine Pause.

00:38:06: das war sozusagen

00:38:07: jetzt

00:38:07: eine Staffel an sechs folgen die wir erzählt haben.

00:38:11: und dank dir Michael für die Recherche für diese ganzen geschichten und dafür dass du das alles auf so interessante Weise erzählt hast.

00:38:20: Ja, danke schön!

00:38:21: Und wir hören uns hoffentlich wieder wenn wir im Herbst neue Geschichten recherchiert haben die wir dann erzählen und dann bleibt mir nur noch ihnen zu sagen ganz herzlichen Dank und bis bald.

Kommentare (1)

Helmut Hagemann

Ich höre Ihren Podcast sehr, sehr gern und bin positiv beeindruckt über die um politische Objektivität bemühten Aussagen von Dr. Jung. Zwei kleine Anmerkungen: 1. Ich finde Ihren Begriff "grüner Wasserstoff" unzutreffend. Aus heutiger Sicht wird damit der Wasserstoff verbunden, der unter Hilfe von regenerativen Strom erzeugt wird. Damals wurde der Strom hauptsächlich aus Braun- und Steinkohle, also fossil, erzeugt. 2. Die Rolle des Rechtsextremismusses in Münster in der Weimarer Republik wird m.E. überpointiert dargestellt. Die Stadr und das gesamte Münsterland waren durch den Volkskatholizismus mit dem Zentrum als politischen Arm geprägt. Das beweisen auch die letzten demokratischen Reichstagswahlen vor der Machtergreifung. In diesem Kontext beschreibt der Podcast eine wichtige Episode aus den Kreisen der extremen Rechten.

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